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Ärger Widerstand am Fischerteich

Rahel Wolf

Waddewarden - Am Fischerteich führt ein schmaler Weg entlang, Bäume säumen die Wasserfläche, der Blick ist unverbaut. Die Sicht auf die Kirche, die in der Vormittagssonne leuchtet, ist frei. Auf der anderen Seite des Weges liegt der Spielplatz Ost in Waddewarden. Eine Grünfläche, die jahrelang ein Anlaufpunkt für Kinder war. Gemeinsam mit Fischerteich und Weg ist sie zu einem im Ort liebgewonnenen Idyll verschmolzen, auf das die Waddewarder auch in Zukunft nicht verzichten wollen.

Rotstift angesetzt

Wenn es aber nach dem Willen von Rat und Verwaltung der Gemeinde Wangerland geht, dann ist es dort bald vorbei mit der Ruhe. Denn der Spielplatz ist einer von fünf der insgesamt 30 Spielplätze in der Gemeinde, die dem Rotstift zum Opfer fallen sollen. Mehr noch: der Spielplatz soll als Bauland verkauft werden. Ein entsprechender Ratsbeschluss liegt vor. Baulärm, Dreck, Lastwagen und nach Fertigstellung womöglich ein klotziges Doppelhaus in eingeschossiger Bauweise wären das Ergebnis der Pläne, so fürchten die Anwohner.

Interessenten gibt es dem Vernehmen nach schon. Und die wollen, so die Gerüchte im Ort, nicht nur die Fläche des Spielplatzes nutzen, sondern auch den Spazierweg verschwinden lassen und das neue Grundstück bis an den Fischerteich heranziehen.

Gegen diese Pläne regt sich aber massiver Widerstand: Seit dem 6. Januar sammeln Benedikt und Marianne Haas, Heiko und Anke Berndt sowie Jann-Peter Janssen Unterschriften gegen das Vorhaben. Mehr als 100 Waddewarder haben unterzeichnet. „Das ist fast der ganze Ort“, sagt Marianne Haas.

Die direkten Anwohner, aber auch viele andere Waddewarder, ärgern sich über den Ausverkauf ihres Idylls. Sie fürchten durch einen Neubau einen drastischen Verlust ihrer Lebensqualität. „Hier soll jetzt auch noch eine der letzten schönen Ecken von Waddewarden für eine Summe verkauft werden, die nicht mal dem Ort zugute kommt“, schimpft Marianne Haas, die mit ihrem Mann in Spielplatznähe wohnt. Und das, obwohl Waddewarden kaum mehr etwas für seine Bewohner zu bieten habe.

Neben der Unterschriftenliste haben die Dorfbewohner in einem Brief ihre wichtigsten Argumente zusammengefasst, der Ende der Woche der Politik zur Verfügung gestellt werden soll. Auch die Unterschriften wollen sie abgeben. Zudem gab es am 6. Januar einen Vororttermin mit Vertretern der Ratsparteien. „Wir nehmen damit unser bürgerliches Grundrecht wahr und zeigen deutlich, dass wir mit dieser Lösung überhaupt nicht einverstanden sind“, sagt Benedikt Haas.

Unverständnis herrscht auch darüber, warum überhaupt an dieser Stelle gebaut werden soll. Schließlich sei der Verkauf der Baugrundstücke „Am Leeghamm“ über Jahre nur sehr schleppend vorangegangen. Erst als die Grundstücke zum halben Preis angeboten wurden, wurde dort auch ordentlich gebaut. „Wir sehen also überhaupt keine Notwendigkeit dafür, dass auf dem Spielplatzgelände gebaut werden muss“, sagt Marianne Haas. Die Waddewarder sehen darin ganz im Gegenteil eine Schwächung der ohnehin schwachen Infrastruktur.

Ideen für Nutzung

Der Bereich biete einen Ort der Erholung, werde von vielen im Dorf genutzt. Auch der Spielplatz sei entgegen der Behauptung der Gemeinde stets bespielt worden. „Erst als die Spielgeräte abgebaut wurden, kamen keine Kinder mehr“, sagt Lenchen Leiner.

Außerdem fragen sich die Anwohner, wie der Bauplatz überhaupt erschlossen werden soll. Liegt er doch verkehrstechnisch ungünstig in zweiter Reihe. Eine entsprechende Zufahrt müsste erst noch gebaut werden, dafür müssten teils Hecken und Zäune entfernt werden. „Wir können uns kaum vorstellen, dass sich das Ganze finanziell für die Gemeinde überhaupt lohnt“, sagt Benedikt Haas.

Außerdem hätten die Waddewarder bereits Ideen für die Fläche, etwa eine Streuobstwiese in Kooperation mit dem Kindergarten. „Diese Nutzung wäre sicherlich im Sinne vieler Waddewarder“, sagen sie.

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