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Bundestag Wahl stärkt Rohde den Rücken

Oldenburg - Nach gut einem Jahr als Bundestagsabgeordneter ärgert sich Dennis Rohde am meisten über – manchen Kollegen. „Wenn einer im Bundestag sitzt und sagt, als Abgeordneter könne er nichts bewegen – dann ist er am falschen Platz.“ Der SPD-Abgeordnete empfindet das nicht nur als Verrat am Auftrag der Wähler, sondern auch als aktiven Beitrag zur Politikverdrossenheit. „Da macht es sich mancher bequem“, sagt er. Rohde findet es ehrlicher zu sagen, dass man sich eingesetzt hat, aber diesmal nichts bewegen konnte.

Einsatz – darum geht es ihm. Vor allem für seinen Wahlkreis. So hat er als Berichterstatter im Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz an der Mietpreisbremse mitgearbeitet. „Da habe ich erreicht, dass ein qualifizierter Mietspiegel nicht Voraussetzung für ihre Gültigkeit ist.“ Das halte Oldenburg im Rennen – „und da habe ich etwas bewegt“, sagt der 28-Jährige.

Apropos 28: „Ich bin froh, dass ich nicht der jüngste Abgeordnete bin.“ Kollege Mahmut Özdemir aus Duisburg ist das, „und der wird ständig von TV-Teams gefragt, wie das so ist.“ Da gehe es nicht um die Sache, sagt Rohde. Und die Sache, die traut man ihm offenbar zu. „Für mich ist das erste Jahr sehr gut gelaufen.“ Die Fraktion hat ihm viele Aufgaben übertragen. Auch weil er zu den zwei Abgeordneten in den Flächenländern gehört, die bei der letzten Wahl der CDU einen Wahlkreis direkt abgenommen haben. Das bringt Punkte.

Als Neuling im Gespräch

Und so ist der junge Abgeordnete, der zuvor als Jurist in der Schuldnerberatung arbeitete, in Positionen mit viel Verantwortung verankert. Haushaltsausschuss, zuständig für den Etat von Justiz- und Verbraucherschutzministerium und Bundesverfassungsgericht. Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz mit dem Schwerpunkt Familienrecht, Fluggastrechte, Kleinanlegerschutz und Marktwächter. „Ich bin als Neuling viel im Gespräch mit Staatssekretären und Ministern“, sagt Rohde. Das sei ein Privileg.

In Berlin wohnt Rohde in einer Eineinhalb-Zimmer-Wohnung in Mitte. Da ist auch der Reichstag – „und viel mehr sehe ich in den 22 Sitzungswochen des Jahres nicht von der Hauptstadt“. 70 Stunden Arbeit habe so eine Woche, „da bleibt nichts, als abends direkt nach Hause zu gehen“. Sein Rezept gegen den Stress ist Sport. Alkohol ist für ihn in Berlin tabu. Anders als für viele Kollegen.

Kraftquell ist das Wissen um seine Ziele: „Die Gesellschaft driftet auseinander.“ Den Schwachen zu helfen – das mag pathetisch klingen, aber Rohde hält das nach den Erfahrungen in der Schuldnerberatung für absolut geboten: „Die Menschen denken, sie haben an allem selbst schuld. Aber es sind doch oft Rahmenbedingungen.“

Zur Politik gebracht hat ihn sein Opa. Bahnangestellter in Oldenburg, der im Dienst ein Bein verlor, und Politik an den Auswirkungen für die kleinen Leute bewertet. Sein Vater Busfahrer, Mutter Hauswirtschafterin: „Ich weiß, woher ich komme.“ Auch deswegen zahlt er seine Mitarbeiter nach Tarif (obwohl er nicht muss) und ist gesetzlich krankenversichert (obwohl Abgeordnete wählen können). Wichtig für ihn: „Empathie.“

Transparenz gefragt

Und: Transparenz. Auf seiner Homepage veröffentlicht er jedes Gespräch mit Lobbyisten in Berlin. „Das müssen die Wähler wissen.“ Die trifft er in regelmäßigen Sprechstunden und trägt ihre Sorgen direkt an die Minister heran.

Am Ende sieht er Politik als Frage der Deutungshoheit. „Nehmen wir den Mindestlohn“, sagt er. „Die Wirtschaftsweisen sagen, er sei schlecht für die Wirtschaft, und die meisten Medien folgen ihnen. Ich sage: Es ist gut für die Menschen, wenn sie nicht für drei Euro arbeiten müssen. Auch wenn vielleicht der eine oder andere Arbeitsplatz verloren geht.“ Dazu, sagt er, müsse man stehen. Egal, woher der Wind weht. (Wird fortgesetzt)

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