• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Politik

Warum der Salafismus für Jugendliche so attraktiv ist

29.11.2014

Frankfurt Am Main Der Salafismus in Deutschland ist nach den Worten des Islamwissenschaftlers und Politologen Marwan Abou-Taam überwiegend ein Jugendphänomen. Die islamistische Ideologie, die eine Gesellschaftsordnung wie in der Frühzeit des Islams anstrebt, verspreche suchenden jungen Menschen eine Identität, sagte der beim Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz arbeitende Wissenschaftler am Freitag in Frankfurt am Main. Außerdem sei der Salafismus die einzige deutschsprachige Form des Islams in Deutschland, sagte er auf einer Fachkonferenz der Goethe-Universität.

Die Tagung war die Gründungsveranstaltung des „Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam“. Junge Migranten sind laut Abou-Taam oft zwischen verschiedenen Identitäten hin und her gerissen. Zu Hause kritisierten die Eltern: „Du bist wie ein Deutscher!“, auf der Straße heiße es: „Du bist ein Moslem!“. Vor den einen müsse man das Fasten zeigen, vor den anderen verbergen.

Dagegen versprächen die Salafisten eine eindeutige Weltsicht mit der Rückbindung an die „Quellen des Islams“. Zu einem „Islam der Mitte“ habe kein normaler Jugendlicher Kontakt, da viele muslimische Eltern Religion nur beiläufig als Geselligkeitsereignis praktizierten. Die Gewaltbereitschaft vieler Salafisten biete ein Ventil für Jugendliche, die in autoritären Familienstrukturen aufwuchsen und selbst Gewalt durch Väter erlebt hatten, sagte Abou-Taam.

Von den derzeit rund 8.000 Mitgliedern salafistischer Gruppen in Deutschland sind nach Angaben der Bundesregierung rund 550 in den Nahen Osten ausgereist, um für den „Islamischen Staat“ (IS) zu kämpfen. Wahrscheinlich seien es weit mehr, sagte Abou-Taam. Manche folgten dem Aufruf, „die Glaubensbrüder zu schützen“, andere seien Abenteurer auf der Suche nach Heldentaten, eine weitere Gruppe habe Mordfantasien und wolle diese ungestraft ausleben.

Die ausländischen Kämpfer verschlimmerten die Bürgerkriege in Syrien und im Irak, ergänzte der Londoner Radikalismus-Forscher Peter Neumann. 70 Prozent der Selbstmordattentate des IS würden von Ausländern verübt. Zu brutalen Aktionen wie Folterungen und Enthauptungen würden vor allem ausländische Kämpfer eingesetzt, weil sie ideologisch motiviert seien und keine sozialen Bindungen im Land hätten.

Der international verbreitete Salafismus ist nach den Worten von Abou-Taam für Muslime deshalb so attraktiv, weil er insbesondere im Dschihadismus die konsequenteste Antwort auf die Krise der arabischen Welt gebe. „Alle Araber lernen in der Grundschule: Die Ursachen aller Probleme der arabischen Welt liegen im Westen“, sagte der Islamwissenschaftler. Auch die islamische Orthodoxie lehne die Werte der westlichen Moderne ab. „Der Weg von der Mitte der arabischen Gesellschaft zum Dschihadismus ist kurz.“

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.