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NWZonline.de Nachrichten Politik

Vorwahlen In Den Usa: Warum Hillary Clinton Frauen kaltlässt

14.02.2016

Concord Eine politische Revolution oder die erste Frau an der Spitze der USA? Die meisten jüngeren Wählerinnen reizt derzeit überraschenderweise offenbar eher das erste Szenario. Bei den Vorwahlen in New Hampshire zogen die Frauen unter 45 Jahren laut Wählernachfragen mit überwältigender Mehrheit Bernie Sanders Hillary Clinton vor. Das stellt die ehemalige US-Außenministerin vor ein Problem. Denn um sich die Nominierung der Demokraten für die Präsidentenwahl zu sichern, ist sie dringend auf die Stimmen der Frauen angewiesen.

„Selbst wenn sie mich gerade nicht unterstützen, unterstütze ich sie“, sagte Clinton, als sie ihre Niederlage gegen den 74-jährigen Senator aus Vermont einräumte. Die frühere First Lady gilt zwar immer noch als Favoritin für die Nominierung der Demokraten. Doch das Ergebnis aus New Hampshire fiel für sie niederschmetternd aus. Insgesamt 70 Prozent der weiblichen Wähler unter 45 stimmten für Sanders. Bei den Frauen unter 30 waren es sogar fast 80 Prozent.

„Viele junge Frauen bezeichnen sich zwar eindeutig als Feministinnen, aber das bestimmt ihre Entscheidungen nicht mehr so sehr, wie es noch bei Frauen der zweiten Welle des Feminismus’ der Fall war“, sagt Debbie Walsh, die Direktorin des Zentrums für Amerikanische Frauen und Politik an der Rutgers University.

Junge Wählerinnen in New Hampshire begeisterten sich nach eigenen Angaben stärker für Sanders’ hochgesteckte politische Ideen, darunter ein staatliches Gesundheitssystem für alle und die Abschaffung von Studiengebühren an staatlichen Unis. „Die Chance auf einen weiblichen Präsidenten werden wir immer noch haben, aber werden wir noch einmal die Chance auf einen so einzigartigen Präsidenten wie Bernie Sanders haben?“, sagt die 26-jährige Nicole McGillicuddy. Sie zeigt sich überzeugt, dass sie die erste US-Präsidentin erleben wird.

Favoritin Hillary Clinton geht ihren Wahlkampf diesmal ganz anders an als noch 2008. Damals setzte sie vor allem auf ihre Erfahrung und Eignung für das Weiße Haus. Doch diesmal rückt sie ihr Frausein viel stärker in den Mittelpunkt und betont Themen wie Lohngleichheit und Elternzeit. Sie bemühte sich intensiv um die Unterstützung von Frauenorganisationen und wirbt mit prominenten Fürsprecherinnen wie Popstar Katy Perry und Schauspielerin Lena Dunham gezielt um junge Frauen.

Doch die Rechnung ging bisher nicht auf. Am vergangenen Wochenende brach sich Frustration über Sanders’ Erfolg bei den weiblichen Wählern Bahn. Ex-Außenministerin Madeleine Albright erklärte, für Frauen, die Frauen nicht helfen, gebe es „einen Extraplatz in der Hölle“. Die bekannte Feministin Gloria Steinem sagte, Ziel der Anhängerinnen von Sanders sei es, Männer kennenzulernen. Sie entschuldigte sich später für die Bemerkung.

Bei den nächsten Vorwahlen in Nevada und South Carolina wird mit besseren Ergebnissen für Clinton gerechnet als in Iowa, wo sie nur knapp vorn lag, und in New Hampshire. Laut einer kürzlich veröffentlichten Umfrage der Quinnipiac University stehen landesweit 48 Prozent aller Frauen hinter Clinton und nur 38 Prozent hinter Sanders.

Stephanie Schriock von der Lobbygruppe Emily“s List hält die Annahme, dass Clinton weibliche Wähler verliere, für überzogen. „Landesweit schneidet sie gut ab, auch bei den Frauen der Millennium-Generation“, sagt die Präsidentin der Organisation, die demokratische Kandidatinnen unterstützt, die sich für das Recht auf Abtreibung einsetzen. „Wir sehen im ganzen Land eine wirklich gute Unterstützung von Frauen jeder Altersgruppe.“

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