Frau Naber, der Landtag hat erstmals ein Kulturfördergesetz verabschiedet. Gibt es jetzt mehr Geld für Theater, Büchereien und freie Künstler?

Naber Da legen Sie gleich den Finger in die Wunde. Mehr Geld gibt es mit dem Gesetz per se nicht. Es schafft aber einen guten Rahmen, Kunst und Kultur in Niedersachsen abzusichern. Das Gesetz beinhaltet viele Maßnahmen, die dazu beitragen werden, dass die kulturpolitische Debatte stärker ins Parlament verlagert wird. Das halte ich für eine Errungenschaft.

Kulturexpertin der SPD-Fraktion

Hanna Naber (51) ist kulturpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Niedersächsischen Landtag. Die Oldenburgerin, einst Geschäftsführerin der Arbeiterwohlfahrt in Weser-Ems, wurde 2017 mit 42,9 Prozent in den Landtag gewählt.

Wie soll das passieren?

Naber Die Landesregierung ist künftig verpflichtet, dem Parlament jährlich einen Bericht zu erstatten über die Kulturbranche in Niedersachsen. Damit entsteht die Notwendigkeit, den Kulturschaffenden und den Verbänden eine gewisse Transparenz, vor allem aber Wertschätzung, entgegenzubringen.

Welche Chancen bringt das Gesetz für den Nordwesten?

Naber Zwei Punkte sind besonders interessant. Erstens: Wir stärken die Landschaften und die Landschaftsverbände in ihrer Bedeutung. Mit der Ostfriesischen und der Oldenburgischen Landschaft sind da zwei ganz starke Partner im Boot. Zweitens: Wir wollen gleichwertige Lebensbedingungen in Niedersachsen. Das Gesetz nimmt daher besonders den ländlichen Raum in den Fokus. Kultur muss nicht nur in den Zentren, sondern in jedem Dorf zu finden sein.

Also mehr Chancen für kulturelle Einrichtungen – von der Kulturmühle Berne bis zur Waldbühne Ahmsen?

Naber Ja, sie und andere stehen für die Vielfalt der Kultur in unserem Land. Der Wermutstropfen ist, dass derzeit nicht mehr Geld ins System kommt. Sollte ich in den nächsten Landtag kommen, werde ich dafür kämpfen, dass mehr Mittel fließen.

Stefan Idel
Stefan Idel Landespolitischer Korrespondent