• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Politik

Der Geist von Bretton Woods

22.07.2019

Washington Der internationale Handel ist unter Druck, Nationalstaaten bauen Handelsbarrieren auf, einzelne Länder werten ihre Währungen ab, um sich Vorteile zu verschaffen. Die Wirtschaftsseiten der Medien sind derzeit voll von wirtschaftspolitischen Phänomenen dieser Art. Sehr ähnliche haben in den 1930er Jahren zur großen Weltwirtschaftskrise geführt und 1944 zur Konferenz von Bretton Woods, wo 44 Länder Besserung gelobten und bis zum 22. Juli das aus der Taufe hoben, was heute Internationaler Währungsfonds (IWF) und Weltbank sind.

USA und Großbritannien

Die Führung am Fuße des Mount Washington im US-Staat New Hampshire hatten damals vor allem zwei Länder übernommen: die USA und Großbritannien. Die Ökonomen John Maynard Keynes auf britischer und Harry Dexter White auf US-Seite rivalisierten miteinander – mit klarem Vorteil für White. Beide Länder werden 75 Jahre später eher als Problem denn als Lösung angesehen. Der Brexit könnte Großbritannien in ein Handelsabkommen mit den USA zwingen, dessen Regeln vor allem von einem bestimmt werden: US-Präsident Donald Trump. Und dessen Radar ist darauf ausgerichtet, multilaterale Systeme wie Weltbank und IWF, die beide 189 Staaten und Organisationen als Mitglieder haben, in ihrer Macht zu beschneiden.

Das wirtschaftliche System, das die Finanzminister und Notenbankchefs damals im Wintersportort Bretton Woods auf Vorschlag Whites festklopften, sollte die wirtschaftliche Nachkriegsära maßgeblich prägen. Im Grunde bestand der Konsens aus zwei Eckpfeilern: Die Teilnehmerstaaten binden ihre Währung an den US-Dollar und weichen nur in einem bestimmten Rahmen ab – das sollte Abwertungsspiralen mit entsprechend hohen Inflationsausschlägen vermeiden, wie sie die Welt in den 1930er Jahren erlitten hatte. Im Gegenzug koppelten die USA den Dollar an den Kurs des Goldes – und versprachen, ihre Währung im Zweifel auch in Gold umzutauschen.

Das System brach 1973 zusammen, als die USA ausstiegen. Der IWF war dann schon stabil genug, um das auszuhalten. Und die Amerikaner waren dank ihrer Wirtschaftskraft und globalen Stärke kräftig genug, um weiter die dominierende Rolle zu spielen.

Gerade in den 1980er und 1990er Jahren, unter den französischen IWF-Chefs Jaques de Larosière und Michel Camdessus und den anglo-amerikanischen Staatenlenkern Ronald Reagan und Margaret Thatcher, galten Schlagworte wie Freier Markt, Deregulierung, Privatisierung als Maxime. Vor allem in den armen Ländern Afrikas hat die Politik der „Strukturanpassungen nach Auffassung renommierter Ökonomen wie Nobelpreisträger Joseph Stiglitz zu negativen Langzeitfolgen geführt. Einige Länder hätten ihre Souveränität für Kredite aus Washington verkauft.

Blatt gewendet

Aus dieser Zeit mag zumindest ein Teil der schwierigen Reputation stammen, die den Washingtoner Institutionen bis heute in Teilen nachhängen. Vor und während der jüngsten Finanzkrise waren die Gebäude von IWF und Weltbank im Zentrum der US-Hauptstadt Schauplatz riesiger Demonstrationen von Globalisierungsgegnern.

Inzwischen hat sich das Blatt gewendet. Weltbank und IWF setzen sich öffentlich für das ein, was die Demonstranten einst von ihnen forderten – eine bessere Verteilung auf dem Wohlstandsgefälle und Kampf gegen die bittere Armut. „Wir sind besorgt, dass die Früchte dieser ein Jahrzehnt dauernden Wirtschaftsexpansion nicht so gut verteilt werden, wie das der Fall sein könnte“, hatte Fonds-Chefin Christine Lagarde erst vor kurzem der US-Regierung ins Stammbuch geschrieben.

Lagarde sieht den Abbau des Wohlstandsgefälles und die bessere Verteilung von Einkommen inzwischen als eine der vornehmsten Aufgaben des IWF, ebenso wie die Beteiligung von Frauen oder Kampf dem Klimawandel.

Das Risiko für den vielbeschworenen „Geist von Bretton Woods“, dem die Überzeugung innewohnt, dass internationale Zusammenarbeit besser ist für Frieden und Wohlstand als protektionistischer Nationalismus, sitzt heute im Weißen Haus. Der internationale Handel, von Präsident Franklin D. Roosevelt damals als „Arterie der Weltwirtschaft“ bezeichnet, die nicht sinnlos verstopft werden dürfe, leidet unter Trumps „America-First“-Politik. Die Befürchtung ist, dass Trump das weltweite Wachstum langfristig schmälert und somit – bei wachsender Weltbevölkerung – Hunger und Armut wieder präsenter wird.

Dass in den vergangenen 30 Jahren eine Milliarde Menschen aus der bitteren Armut befreit wurden, gehört zu den Tatsachen, auf die IWF und Weltbank heute stolz sind.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.