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NWZonline.de Nachrichten Politik

Noch mal vier Jahre für Trump?

20.06.2019

Die ersten Fans hatten sich schon 48 Stunden vor dem Auftritt des Präsidenten mit Schlafsäcken und Zelten vor dem Eingang der Amway-Sportarena in Orlando positioniert. Denn die Sitze für den offiziellen Auftakt der Wiederwahl-Kampagne Donald Trumps am Dienstagabend in Florida waren begehrt: 20 000 Anhänger waren für den Termin maximal zugelassen, doch rund 120 000 Menschen hatten sich nach Angaben des Trump-Lagers um eine Karte beworben.

Der Startschuss – eineinhalb Jahre vor dem Wahltermin – kam allerdings zu einem pikanten Zeitpunkt: Am gleichen Tag hatte Patrick Shanahan, der designierte Verteidigungsminister des Präsidenten, nach Berichten über häusliche Gewalt in seiner Familie auf sein Amt verzichtet. Parallel dazu hatten Demoskopen erneut unvorteilhafte Umfragen veröffentlicht, denen zufolge Trump in wichtigen Bundesstaaten wie Pennsylvania, Michigan und auch Florida deutlich hinter dem im internen Wettbewerb der Demokraten bei Erhebungen führenden Joe Biden zurückliegt.

Doch all diese Hiobsbotschaften schienen – wie immer – von Trump abzuprallen, als er das Podium zu „USA, USA“-Sprechchören betrat. Der Präsident, der Florida gern als „zweites Zuhause“ bezeichnet und viel Zeit auf seinem Landsitz Mar-a-Lago verbringt, hatte diesen Bundesstaat bewusst als Startpunkt gewählt. Schließlich hat Florida im November nächsten Jahres 29 wichtige Wahlmänner-Stimmen zu bieten, und Trump gewann hier für viele Experten überraschend in 2016.

Am Dienstagabend rasselte er zunächst seine bekannten Erfolgsbotschaften herunter: Man habe nun „die beste Wirtschaftslage aller Zeiten“, sechs Millionen neue Jobs geschaffen, und dem Land gehe es so gut wie nie zuvor. Auch Latinos und Afro-Amerikanern gehe es, was die Beschäftigung angeht, so gut wie nie zuvor. Die letzten Wahlen seien deshalb „ein definierender Augenblick in der Geschichte“ gewesen. Und alles, was es derzeit an Kritik gebe, sei lediglich ein Produkt der „Fake News Media“. Da brauste der Applaus besonders auf, obwohl man es schon hundertfach gehört hat.

Die Regierung sei 2016 von einer politischen Klasse zurückerrungen worden, die sich nur am Land bereichert habe, formulierte Trump. Ein verbaler Schienbeintritt in Richtung der Demokraten, Barack Obama und des Kongresses, mit dem er wie kaum ein Präsident zuvor auf Kriegsfuß steht und der – von der Opposition geführt – nun in mindestens einem Dutzend Untersuchungsausschüssen Trump, seiner Familie, seinen Firmen und seinen Finanzen auf den Zahn fühlen will.

„Der Sumpf kämpft gewalttätig und bösartig zurück“, beklagte Trump die politischen Ermittlungen, nachdem er doch durch den Bericht von Sonderermittler Robert Mueller „gewonnen“ habe. Dass dies nicht den Fakten entspricht, störte Trump nicht. Denn Mueller hatte zwar in zwei Jahren Suche keine schlüssigen Fakten für eine Kooperation des Trump-Teams mit Russland gefunden, doch die Frage einer strafbaren Justizbehinderung bewusst nicht beantworten wollen.

„Sperrt sie ein!“, lauteten auch in Orlando die bekannten Sprechchöre aus dem Jahr 2016, als Trump den E-Mail-Skandal Hillary Clintons und die Bemühungen der Demokratin erwähnte, über ein von der Partei mitfinanziertes Dossier negative Fakten über Trump aus Russland zu erhalten. „Das war die einzige Verschwörung, die es gegeben hat“, behauptete der Präsident. Es ist die Sprachregelung, die den gesamten kommenden Wahlkampf durchziehen wird – betitelt als „russischer Schwindel“, so Trump. Und: Obama habe bewusst nichts getan, als er von der versuchten Einflussnahme Moskaus auf die Wahl erfahren habe, weil dies den Demokraten erlaubt habe, seinen Sieg infrage zu stellen.

Das alles kommt an bei seinen Anhängern in Florida, ohne das ein Präsidentschaftskandidat nach geschichtlicher Erfahrung so gut wie keine Chance hat, ins Weiße Haus einzuziehen. Und die Menschen in der Arena beeindruckt auch, als Trump in knapp 90 Minuten eine „Horrorvision“ für 2020 skizziert: ein Präsident der Demokraten und ein von „radikalen Demokraten“ dominierter Kongress. Diese würden das Land mit illegalen Einwanderern überfluten, um ihre Wählerbasis zu erweitern. „Macht Amerika wieder großartig“, ließ er die Anhänger rufen.

Von den Protesten vor der Arena will Trump nichts wissen: „Geht alle wählen“, ruft er, „wir können es zusammen wieder schaffen.“ Denn man sei ja schließlich „eine Familie und eine großartige Nation“.

Friedemann Diederichs Korrespondentenbüro Washington
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