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NWZonline.de Nachrichten Politik

„Seien Sie kein Narr!“

18.10.2019

Washington Noch nie hat ein US-Präsident, so wie es jetzt Donald Trump getan hat, eine führende Vertreterin der Opposition bei einer Sitzung im Weißen Haus als „drittklassige Politikerin“ bezeichnet und der Adressatin – in diesem Fall Demokraten-Sprecherin Nancy Pelosi – kurz darauf im Internet vorgeworfen, möglicherweise geisteskrank zu sein. „Betet für sie, sie ist eine sehr kranke Person!“, schrieb Trump am Mittwochabend auf Twitter.

Nun weiß die Welt mittlerweile, dass Trump ein Staatschef ist, der sich um Konventionen und Höflichkeit nicht schert. Doch er dürfte dabei auch übersehen haben, dass der beispiellose Ausfall und die persönlichen Herabsetzungen gegenüber einer respektierten langjährigen Volksvertreterin am Ende vor allem eine Konsequenz haben werden: Dass die Frage erneut in den Vordergrund gedrängt wird, ob es Trump ist, der im Oberstübchen nicht mehr richtig „tickt“ und – gefördert auch durch die Amtsenthebungs-Voruntersuchung – seine Nerven einfach nicht mehr im Griff hat.

Immer wieder ist dieses Thema seit der Vereidigung des früheren Reality-TV-Stars in den Vordergrund gerückt – sei es durch Ferndiagnosen von US-Psychiatern oder die Aussage des Ehemanns seiner wichtigsten Beraterin Kellyanne Conway, der den Präsidenten – anders als seine Gattin – für amtsuntauglich und als eine Gefahr für die Nation ansieht.

Brief an Erdogan

Und dann gibt es noch weitere Indizien, die sich bei dieser in politischen Zirkeln meist noch hinter vorgehaltener Hand geführten Debatte anführen lassen. Da ist der offensichtlich tief aus dem Bauch heraus formulierte Brief vom 9. Oktober an den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, in dem Trump jegliche Formalitäten und diplomatischen Floskeln, die üblicherweise mit dem Amt einhergehen, ignorierte und Erdogan vor einem harten Vorgehen gegenüber den Kurden warnte.

Dieses Schreiben macht deutlich, dass Trump mittlerweile alle Reden- und Briefschreiber entlassen haben muss und solche Aufgaben – weitgehend isoliert im Weißen Haus – nun selbst erledigt. Denn wer aus dem Beratercorps würde sich allen Ernstes Sätze wie diese einfallen lassen: „Die Geschichte wird sie immer als der Teufel ansehen, wenn nicht gute Dinge geschehen. Seien Sie kein harter Kerl. Seien Sie kein Narr!“ Formuliert worden war der Brief an jenem Tag, an dem Erdogan seine Militäroffensive gegen die Kurden begann – und die Ereignisse seitdem haben glasklar gemacht, dass das bizarre Schreiben Trumps völlig seine Wirkung verfehlt hat.

Ebenso kurios und für manche Beobachter erschreckend ist der Fakt, dass es Trump schaffte, innerhalb kürzester Zeit plötzlich das Syrien- und Kurden-Thema als irrelevant zu bezeichnen. Das ganze Geschehen gehe doch eigentlich das Land nichts an, fabulierte er am Mittwoch, weil es nicht an der Grenze zur USA stattfinde.

Und Trump legte dann noch – quasi als Entschuldigung für die prekäre Lage der Kurden nach dem US-Truppenabzug – nach: Die Kurden seien ja „keine Engel“. Die Tatsache, dass die Kurden maßgeblichen Anteil an der Eingrenzung der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) haben und dabei Seite an Seite mit den USA kämpften, war für den Präsidenten noch nicht einmal eine Randnotiz wert.

Treffen mit Pelosi

Stattdessen feiert er sich wieder einmal – was Kritiker als Anzeichen einer Persönlichkeitsstörung und Zeichen von extremem Narzissmus sehen – als „strategisch brillant“ mit Blick auf seine Syrien-Aktionen. Die „New York Times“ urteilte bereits letzte Woche, die Nation sei dem „Chef-Narzissten“ Trump hilflos ausgeliefert. Und das Magazin „Atlantic“ sieht ihn „nicht fit“ für seinen Job.

Eine „strategische Brillanz“ des Präsidenten können auch Amerikas Volksvertreter nicht erkennen. Das Repräsentantenhaus verurteilte am Mittwoch in einer parteiübergreifenden Resolution den Truppenabzug aus Nordsyrien als „Fehler“.

Danach gab es das Treffen Trumps mit Pelosi und anderen Demokraten, die später den Verlauf des Gesprächs als „neuen Tiefpunkt“ der Trump-Amtszeit bezeichneten. Senats-Fraktionssprecher Charles Schumer resümierte auch, Trump habe „keinen Plan“ gehabt, was die Bekämpfung der IS-Miliz angehe. Und: Der Präsident habe „sehr aufgewühlt“ gewirkt und schließlich einen „Nervenzusammenbruch“ (Schumer) erlitten.

Friedemann Diederichs Korrespondentenbüro Washington
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