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NWZonline.de Nachrichten Politik

Biden diskutiert sich ins Abseits

02.08.2019

Washington Als Joe Biden seine Kontrahentin Kamala Harris in Detroit auf der Bühne begrüßt, sagt er: „Sei nicht zu streng mit mir, Kleines.“ Wie bitte? Ende Juni trafen der Ex-US-Vizepräsident und die kalifornische Senatorin schon einmal bei einer Fernsehdebatte der demokratischen Präsidentschaftsbewerber aufeinander. Die 54-Jährige setzte Biden dort, in Miami, ziemlich zu. Nun also die zweite Debattenrunde in Detroit, quasi eine Revanche im Duell Biden versus Harris. Doch Bidens eigenwillig formulierte Bitte verhallt ungehört. Harris legt an diesem Abend nach, und die übrigen Mitbewerber tun es ihr gleich. Biden hat sehr zu kämpfen. Die Zeit der Zurückhaltung im Demokraten-Rennen um die Präsidentschaftskandidatur für 2020 ist vorbei.

Mehr als 20 Demokraten wollen bei der Wahl im kommenden Jahr als Herausforderer gegen Amtsinhaber Donald Trump antreten. Biden ist der prominenteste von ihnen und führt die Umfragen seit Wochen an. Der 76-Jährige hat eine jahrzehntelange politische Karriere hinter sich. Mehr als 35 Jahre saß er im US-Senat, von 2009 bis 2017 war er Stellvertreter des damaligen US-Präsidenten Barack Obama. Diese Vergangenheit holt ihn nun ein.

Bei der TV-Debatte in Detroit hauen ihm Harris und die anderen Konkurrenten an diesem Abend alle möglichen Dinge um die Ohren: Entscheidungen aus der Obama-Regierungszeit, wie die massenhaften Abschiebungen illegaler Migranten, sein Ja zum Irak-Krieg, frühere Aussagen zur Gleichstellung von Frauen oder zur Integration von Schwarzen. Hinzu kommt Kritik an aktuellen Konzepten der Biden-Kampagne.

Harris greift gleich zu Beginn offensiv Bidens Gesundheitskonzept an. Zeitweise versucht sie, die Debatte zu einem Zweikampf umzufunktionieren. Doch die übrigen Konkurrenten kämpfen mit. New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio und der frühere Wohnungsbauminister unter Obama, Julian Castro, knöpfen sich Biden wegen der damaligen Massenabschiebungen vor. Cory Booker, Senator aus New Jersey, attackiert Biden beim Thema Justizreform, die New Yorker Senatorin Kirsten Gillibrand geht ihn beim Thema Gleichstellung an.

Mal reagiert Biden mit Gegenattacken. Und mal versucht er schlicht, sich aus der Verantwortung zu stehlen („Ich war Vizepräsident, nicht Präsident“). Auch Harris, die in Umfragen unter den Top-Fünf der demokratischen Präsidentschaftsanwärter rangiert, wird an diesem Abend zum Ziel einzelner Attacken, muss ihr eigenes Gesundheitskonzept verteidigen und sich unbequemen Fragen zu ihrer früheren Arbeit als Staatsanwältin in Kalifornien gefallen lassen.

In Detroit geht es um viel. Für mehrere Demokraten ist dies die letzte große TV-Debatte im laufenden Rennen. Für die dritte Runde in Texas im September sind die Teilnahmevoraussetzungen strenger – also die Mindestwerte, die sie bei Umfragen und Spenden vorweisen müssen. Erwartet wird, dass bei der Debatte in Texas nur noch etwa halb so viele Demokraten antreten werden.

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