• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Politik

Us-Präsidentschaft: Ein Fehler im TV-Duell kann die Wahl kosten

26.09.2020

Washington Bei den TV-Debatten zwischen US-Präsidentschaftskandidaten mangelt es selten an Drama. Und über allem schwebt die Frage: Wer wird sich einen möglicherweise wahlentscheidenden Fauxpas leisten?

Im Vorfeld des ersten auf 90 Minuten angesetzten Duells zwischen Donald Trump und Joe Biden am kommenden Dienstag in Cleveland (Ohio) hat es an Schlagzeilen bisher nicht gefehlt. Da waren die Meldungen aus dem Lager der Demokraten, dass Biden besser daran tun würde, sich gar nicht den drei Debatten zu stellen. Schließlich führt er in den Umfragen und kann, so sehen es Experten, eigentlich durch die Frage- und Antwort-Show nur verlieren. Bei dieser Empfehlung schwebte auch die Furcht mit, Biden – der bei öffentlichen Reden schnell müde wirkt und nach Worten sucht – sei Trump und dessen Attacken vermutlich nicht gewachsen und werde stets in der Defensive sein.

Der in den Umfragen zurückliegende Präsident wiederum nutzte diese parteiinterne Debatte der Demokraten schamlos aus und forderte sogar, man möge ihn und Biden einem Drogentest unterziehen. Sein Gegner könne im Debattier-Ring nur gedopt überleben.

Beispiel Reagan

Solche Unterstellungen gab es in der Geschichte der Fernsehduelle der Bewerber bisher noch nie. Statt offener Bösartigkeiten erlebte die Nation meist freundliche Spitzen gegen den Gegner, und niemand konnte dies besser als der Republikaner Ronald Reagan. 1984 musste er sich dem Demokraten Walter Mondale stellen, und die Medien hatten zuvor die Frage gestellt: Ist Reagan mit 73 Jahren überhaupt dem Präsidentenamt gewachsen? Als der Moderator diese Frage dann aufwarf, gab es die perfekte Replik: „Ich werde nicht für politische Zwecke die Jugend und mangelnde Erfahrung meines Gegners ausnutzen.“ Mondale war damals 56 Jahre alt, und Reagan hatte die Lacher und die Sympathien der Wähler auf seiner Seite.

Am Dienstag drohen Trump und Biden mit Themenkomplexen wie der Wirtschaftslage, Corona-Pandemie, Wahlsystem, Supreme Court und Rassismus jede Menge heikle Bereiche. Die Außenpolitik wird aller Voraussicht nach weniger eine Rolle spielen, als dies bei früheren Debatten der Fall war.

Beispiel Ford

1976 stolperte beispielsweise der Demokrat Gerald Ford bei der eigentlich einfachen Frage, ob denn die Sowjetunion die dominante Macht in Osteuropa sei. Ford verneinte dies zum Entsetzen seiner Parteifreunde. Und es dauerte schließlich mehrere Wochen, um durch Stellungnahmen den Schaden zu reparieren.

Beispiel Bush junior

Manchmal reichen aber auch kleine Gesten und Vorgänge. Beim Duell zwischen dem Demokraten Al Gore und George W. Bush im Jahr 2000 begleitete der spätere Wahl-Verlierer Gore Antworten des Republikaners mit Seufzen und Augenrollen. Und einmal drang er, mit dem Mikrofon in der Hand, sogar ganz nah zu Bush vor – was gegen die Debattierregeln verstieß.

Solche Ausflüge wird es diesmal dank Corona nicht geben. Unklar ist bisher, welcher der Kandidaten trotz der Abstandspflicht eine Maske tragen wird. Trump dürfte wohl verzichten, nachdem er sich diese Woche bei einem Auftritt in Pittsburgh über den maskierten Biden bei einer Veranstaltung lustig gemacht hatte: „Was immer ihm hilft, sich wohlzufühlen“, lästerte Trump.

Beispiel Nixon

Gar nicht wohl fühlte sich, und das ging ebenfalls in die Debattengeschichte ein, der Republikaner Richard Nixon bei seinem ersten Treffen mit John F. Kennedy im Jahr 1960. Nixon kam unausgeruht, in einem schlecht sitzenden Anzug und ungeschminkt auf die Bühne. Im Scheinwerferlicht begann er dann auch noch stark zu schwitzen. Kennedy wiederum wirkte souverän und staatsmännisch.

    Nach der Debatte stiegen seine Popularitätswerte deutlich an. Es war genug, um am Ende knapp gegen Nixon zu gewinnen.

Autor dieses Beitrages ist Friedemann Diederichs. Er berichtet für unsere Zeitung aus den Vereinigten Staaten und derzeit besonders über die US-Wahlen.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.