Bremerhaven/Berlin/Hannover - Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) will die Vergütung für Windstrom auf dem Meer absenken – und erntet dafür Kopfschütteln bei der Branche. „Damit verändert die Regierung Zusagen aus dem vergangenen November und verunsichert die Investoren“, heißt es bei der Windenergie-Agentur WAB in Bremerhaven.
Auch die Stiftung Offshore-Windenergie erklärte, die geplante Absenkung beschädige das Vertrauen in die Verlässlichkeit der Politik und verzögere den Ausbau der Windenergie auf Nord- und Ostsee.
Unterstützung signalisiert dagegen Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD). „Das Gabriel-Papier geht in die richtige Richtung“, sagte Weil dieser Zeitung. Es gehe darum, „die Energiewende erfolgreich weiterzuführen und gleichzeitig die Kostendynamik zu brechen“.
Im sogenannten Stauchungsmodell erhalten Energieunternehmen für Strom aus Offshore-Windparks über acht Jahre eine Vergütung von 19 Cent je Kilowattstunde. Dieses Modell läuft Ende 2017 aus, bislang war nicht klar, was kommt. Im Koalitionsvertrag hatten sich SPD und CDU darauf verständigt, das Stauchungsmodell bis Ende 2019 zu verlängern. In Gabriels Eckpunktepapier zur Energiewende heißt es, die Vergütung für die Erzeuger würde 2018 und 2019 um je einen Cent abgesenkt – „entsprechend der Technologieentwicklung und den damit verbundenen Kostensenkungen“.
Gabriels Pläne für Einschnitte beim Windkraftausbau (auch an Land) stoßen beim Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) auf Kritik. BEE-Präsident Fritz Brickwedde befürchtet ein „Comeback älterer Kohlekraftwerke“, sagte er dieser Zeitung. Beim Energienetzwerk Olec (Oldenburg) hieß es, Vertrauensschutz bleibe nicht gewahrt, die Ausbaubremse bringe zudem dauerhaft keine Kostensenkungen.
