Brüssel/Hannover - Die EU-Kommission will den Verkauf von Saatgut in Europa erleichtern. Dazu hat EU-Verbraucherkommissar Tonio Borg am Montag in Brüssel Vorschläge gemacht. Vorwürfe, dies könne zu „Einheits-Saatgut“ oder zum Verschwinden alter Sorten führen, wies Borg entschieden zurück.

Damit Saatgut in Europa verkauft werden kann, muss es registriert werden. Dazu müssen die Hersteller nachweisen, dass ihre Sorten von anderen unterscheidbar, in sich einheitlich und beständig sind. Von solchen bürokratischen Auflagen ausnehmen will Borg allerdings Züchter von alten Pflanzensorten oder von Nischensorten. Für diese Sorten wäre dann eine gröbere Beschreibung möglich, Tests wären nicht mehr vorgeschrieben. Auflagen, wonach Nischensorten nur in bestimmten Regionen und bestimmten Mengen verkauft werden dürfen, fielen weg. Kleine Züchter mit bis zu zehn Mitarbeitern und einem Jahresumsatz bis zu zwei Millionen Euro müssten ihre Produkte nach diesen Vorschlägen nicht mehr registrieren lassen. Für Hobbygärtner gebe es keine Einschränkungen, betonte die Kommission.

Die Reaktionen auf die Vorschläge fielen unterschiedlich aus. Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) und der Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter begrüßten sie. Kritik kam von Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne): „Die Vorschläge fördern nicht die Artenvielfalt im Acker-, Obst- und Gemüseanbau, sondern eher die Entwicklung hin zum Einheitssaatgut – das lehnen wir ab. Die Europäische Kommission betont zwar, dass es ihr darum geht, die Zulassungsverfahren zu vereinfachen. Aber wer profitiert davon? Ich befürchte, dass sich nur die großen Konzerne die teuren, europaweiten Zulassungsverfahren leisten können.“