Ganderkesee - „Ohne Sprache läuft nix“, weiß Erich Kur-zawski vom Arbeitskreis Flüchtlinge in Ganderkesee. Bereits während der Essensausgabe für Flüchtlinge in den Notunterkünften haben die ehrenamtlichen Helfer erfahren, wie wichtig die Sprachvermittlung für die Integration ist. Die Notunterkünfte sind längst verschwunden; doch beim Deutschunterricht stehe man erst am Anfang, weiß Kurzawski. Seit gut einem Jahren bieten Freiwillige Alphabetisierungskurse für Migranten an. Gerade ist ein neuer Kurs gestartet.

Mit dem niederschwelligen Angebot besetzen die Ehrenamtlichen eine wichtige Lücke. Etwa 150 Flüchtlinge werden derzeit in Deutschkursen über die regioVHS unterrichtet, sagt Programmbereichsleiter Andreas Lembeck. Hier liege der Schwerpunkt auf Integration und Orientierung. „Alphabetisierungskurse sind sehr stark nachgefragt“, weiß Lembeck. In der Stadt Oldenburg betrage die Wartezeit gar eineinhalb Jahre.

In Ganderkesee sei das aufgrund des freiwilligen Angebots anders. Zwei Gruppen treffen sich zweimal pro Woche für zwei Stunden im evangelischen Gemeindehaus am Ring, um mit Migranten zu lernen. „Wir machen das, so gut wir es können“, sagt Kur­zawski. Als Material stehen unter anderem reich bebilderte Bücher oder ein Sprachmemory zur Verfügung. Um Zahlen zu lernen, gibt es Würfelspiele. Die Probleme sind höchst individuell. Manche Neubürger tun sich schwer damit, von links nach rechts zu schreiben. Für manche Vokabeln werden diverse Anläufe benötigt: „Pommes frites kennen Syrer gemeinhin nicht“, sagt Kurzawski. Und „Kirsche“ klinge wie das arabische Wort für „Magen“. Da sei bei den Freizeit-Lehrern vor allem Geduld gefragt. Und die bringen sie mit: „Wir machen es so so lange, bis sich die Flüchtlinge selbst fit fühlen“, erklärt Kurzawski. „Das ist gut investierte Zeit.“ Zumal die teilnehmenden Flüchtlinge hoch motiviert seien. Ein weiterer Vorteil des Alphabetisierungskurses der ehrenamtlichen Helfer: Er gibt keinerlei Prüfungsdruck.

Auch die regioVHS will weiter niedrigschwellige Angebote für die Migranten machen. Mitte September werde ein Alphabetisierungskurs im ehemaligen „Haus Cristina“ in Rethorn starten, kündigte Programmbereichsleiter Lembeck an. Lange Wartelisten soll es in der Gemeinde Ganderkesee nicht geben.

Stefan Idel
Stefan Idel Landespolitischer Korrespondent