Wildeshausen - Wenn der Hahn zu laut kräht, der Hund dem Nachbarn mit dem Gebell die Nerven raubt, Baumteile auf das Nachbargrundstück ragen oder der Heckenschnitt für Verdruss sorgt, dann sind die Schiedspersonen des Amtsgerichts Wildeshausen gefragt. Sie bilden quasi den verlängerten Arm von Justitia, können immer dann angerufen werden, wenn sich Menschen nicht mehr privat einigen können.

Sechs Schiedsleute sind dem Amtsgericht angegliedert. In den Gemeinden Großenkneten, Dötlingen/Wildeshausen und Harpstedt sind sie die Ansprechpartner in all den Fällen, die im Nachbarschaftsstreit liegen und als Bagatellfälle im Verfahrensweg eingestellt würden.

Sie mussten im vergangenen Jahr 13 Nachbarschaftsstreitigkeiten schlichten. Der Antrag auf eine bürgerrechtliche Schlichtungsverhandlung führte in neun Fällen zu einer Vereinbarung zwischen den Parteien. Es gab ferner zwei erfolglose Anträge auf Sühneversuch. 26 sogenannte Tür-und-Angelfälle wurden bearbeitet.

Erst wenn alle Versuche der Schiedspersonen zu keiner Einigung geführt haben, kann der Schritt vor den Kadi unternommen werden. „Wir haben natürlich Interesse an dem Bekanntheitsgrad unserer Schiedspersonen“, meinte Amtsgerichtsdirektor Dr. Detlef Lauhöfer. Vieles könne auf diesem Wege ohne Gericht gelöst werden.

So zum Beispiel der Hahnenschrei auf dem Nachbargrundstück, wie Hautau darstellte. Der Hahn sollte umquartiert werden, in die Nähe der anderen Nachbarn. „Das ging natürlich nicht“, so Hautau. Er stellte eine Erfolglosigkeits-Bescheinigung aus.

Oder der Mauerbau zur Abgrenzung zu einer Nachbarsfamilie mit temperamentvollen Kindern. Ein Tür-und-Angelfall, wie Heinz-Jürgen Greszik erwähnte. Die Mauer war rechtlich in Ordnung, aber die Gestaltung des Mauerwerks ein Anstoß.

Oft seien es persönliche Gespräche, die schon zu einer Befriedung der Parteien führen könnten, erklärte ferner Schiedsmann Heinz Heinsen aus Großenkneten. Da komme zum Beispiel ein Bauer, der Hilfe wollte, zu ihm: „Schnack doch mal mit dem oder so ähnlich geht so ein Austausch dann vonstatten“, meinte Heinsen.