Westerstede - Mehr Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit für ihre Belange, Mitwirken bei der Gesetzgebung sowie einen Informationsaustausch: Der Heimbeirat des Evangelischen Altenzentrums Westerstede setzt sich für eine Plattform für die Öffentlichkeitsarbeit der Heimbeiräte von vollstationären Pflegeeinrichtungen ein.

„Die Politik entscheidet für uns bei der Gesetzgebung auf Bundes- und Landesebene, die Verhandlungspartner bei den Rahmenvertragsverhandlungen auf Landesebene“, schreibt Anke Gröhlich, 1. Vorsitzende des Heimbeirates des Evangelischen Altenzentrums Westerstede, in einem Brief an die Vorsitzende des Landesseniorenrats Niedersachsen, Ilka Dirnberger. Mit dem Schreiben bat der Heimbeirat die Vorsitzende um Unterstützung. Künftig wünsche sich der Heimbeirat, „eine Stimme bei den vorbereitenden Gesprächen zur Gesetzgebung und Vertragsverhandlungen zu erhalten“.

Zudem gebe es die öffentliche Einschätzung, dass mit der Vertragsunterzeichnung zur Unterbringung in einem Heim für die Bewohner alles getan sei, erklärt Heiko Ockenga, stellvertretender Vorsitzender des Heimbeirates, im NWZ-Gespräch. „Wir müssen uns mit dem zufriedengeben, was man uns gibt“, sagt er. Oft können die Bewohner aber nicht am Leben außerhalb des Heimes teilnehmen, obwohl sie ein selbstbestimmtes Leben führen wollen. „Wir wollen keine Vertretung haben, sondern selbstständig sein“, sagt er.

Daher möchten die Initiatoren eine Plattform für Anregungen für eine gute Ausgestaltung des Alltags, Initiativen zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit für die Wahrnehmung der Bewohner als Teil der Gesellschaft sowie eine Diskussion über die Auswirkungen der Gesetzgebung auf den Weg bringen.

Doch inwiefern können die Heimbeiräte bereits jetzt das Leben der Bewohner mitgestalten? Mit der Heimmitwirkungsverordnung habe die Politik den Bewohnern ein Mitwirkungsrecht verschafft, sagt Ockenga. Dies könne zur Mitgestaltung des Heimlebens führen. Doch die Mitwirkung sei auf das Heimleben begrenzt.

Als Reaktion auf das Schreiben des Heimbeirates kam Dirnberger kurzerhand zu einem Gespräch nach Westerstede. Sie stehe dem Vorhaben positiv gegenüber: „Wir nehmen das Anliegen mit nach Hannover und gucken, wie weit wir damit kommen“, so die Vorsitzende des Landesseniorenrats. In Gesprächen mit den sozialpolitischen Sprechern der Parteien wolle sie die Wünsche nach der Sommerpause weitergeben.

Doch das Vorhaben sei noch in den Kinderschuhen, berichtet Ockenga. Zunächst müsse nun zusammengetragen werden, wer Interesse an einer Zusammenarbeit habe. Wollen sich andere Heimbeiräte aus dem Ammerland anschließen? Dirnberger rät dazu, eine Arbeitsgemeinschaft zu bilden. Dann könnten Forderungen konkret formuliert und an die Politik gestellt werden, sagt Ockenga. Auch bei Seniorenbeiräten solle angefragt werden, ob diese sich vorstellen könnten, ihr Anliegen zu unterstützen.

Anna-Lena Sachs
Anna-Lena Sachs Online-Redaktion (stv. Ltg.)