WESTERSTEDE - Westersteder Jugend wandelt auf historischen Pfaden. In Kreisau fand das Planspiel statt.
Von Daniela Zenth
WESTERSTEDE - Das niederschlesische Gut Krzyzowa (auch genannt Kreisau) mitten in Polen war schon seit 1940 ein Ort der Begegnung und Verständigung. Auf dem Anwesen von Helmuth James Graf von Moltke entschied eine Widerstandsbewegung mit dem mystischen Namen „Kreisauer Kreis" damals über die Neugestaltung Deutschlands nach dem Sturz der NS-Diktatur.Doch jetzt stand Kreisau eine Woche lang ganz im Zeichen der Gegenwart, als sich mehr als 160 Jugendliche aus mehreren Ländern Europas zu einer Simulation des Europäischen Parlaments „European Parliament Krzyzowa" zusammenfanden.
Fünf Schüler der Europaschule Gymnasium Westerstede und ein Austauschschüler schlüpften in die Rollen internationaler einflussreicher Abgeordneter. Adrian Fijolek (kommt aus Polen und macht in Deutschland ein freiwilliges Soziales Jahr) und die angehenden Abiturienten Nele Ahlers, Renke Schmidt, Kosima Leonhard, Rieke Ahlers und Jan Rüdebusch staunten nicht schlecht angesichts der überwältigenden Größe des Kreisauer Anwesens. Ganz entgegen einiger Befürchtungen waren anfängliche Verständigungsängste mit anderen Jugendlichen schnell überwunden. „Alle haben Englisch gesprochen und notfalls hat man es mit Händen und Füßen versucht", berichtet Renke Schmidt.
Die Schüler agierten in wirklichkeitsnahen Fraktions- und Plenarsitzungen, entwickelten selbstständig Lösungen für die Behebung von Missständen in Europa und waren motiviert, engagiert und mit viel Freude bei der Sache. Besonders aufregend sei auch „dass die Resolutionsentwürfe der Schüler an das echte Europäische Parlament weitergeleitet werden", erzählt Kosima Leonhard. Außerdem sei es beeindruckend „dass so viele Leute, die sich gar nicht kennen so gut zusammenarbeiten konnten", ergänzt Rieke Ahlers. Die Schüler sind sich einig: „Das Projekt bedeutet auf jeden Fall Arbeit. Gleichzeitig lernt man Land und Leute kennen. Neue Freundschaften entstehen und die englische Sprachkompetenz wird gefördert."
Für ihr Engagement wurde die sechsköpfige Gruppe von Fahrtbegleiter Michael Timpe gelobt. Er ist Koordinator für den Europa-Austausch am Gymnasium Westerstede und von dem pädagogischen Wert des Projektes überzeugt. „Es soll keine Eintagsfliege sein, denn solange Interesse besteht, möchten wir dieses Vorhaben auch weiterführen. Die Schüler lernen in Kreisau spielerisch die Strukturen in Europa kennen, trainieren Teamwork und formale Sprachfertigkeiten. Für das nächste Planspiel möchten wir auch schon jetzt neue Teilnehmer gewinnen."
