Ganderkesee - Die Vereinigten Staaten von Amerika sowie China sind sich einig: Es bedarf einer Nicht-Regierungs-Organisation (NRO), die die Aussagen von Whistleblowern überprüft, die Verschwörungstheoretiker aussortiert und den Geheimnisverrätern für die Dauer dieser Prüfung überstaatlichen Schutz gewährt. Trotzdem sei man „in tiefer Sorge um die Sicherheit der Bevölkerung und den Frieden der Staaten in Anbetracht der neuen Bedrohung durch Whistleblower und den Verrat von geheimen und geschützten Informationen an Außenstehende“. Das heißt: Verfolgt werden Whistleblower trotzdem.

Harte Debatten forderte diese Resolution dem Komitee der Generalversammlung auf dem „Ganderkesee Model United Nations“ (Ganmun) ab. Nach den Eingangsstatements der im Komitee vertretenen Länder begann die Lobby-Phase, bei der die USA und China schnell Unterstützer um sich sammelten. Unter den Unterstützern finden sich unter anderem die Russische Föderation sowie Saudi Arabien, Staaten, die aus unterschiedlichen Gründen kein allzu großes Herz für Geheimnisverrat haben.

Auf der anderen Seite standen die Staaten, die einen noch stärkeren Schutz von Whistleblowern forderten, deren Ansichten sich zwar auch in Teilen der Resolution im Ansatz wiederfinden, die aber ihre eigene Resolution nicht durchsetzen konnten. Hierzu gehörten Frankreich und das Vereinigte Königreich mit der Delegierten Mieke Westermann. Gerade einmal 14 Jahre alt ist die Achtklässlerin und eigentlich noch zu jung für die Polit-Simulation, die in der vergangenen Woche über drei Tage erstmals in Ganderkesee stattfand. Der kurzfristige Ausfall eines anderen Delegierten stellte aber Mieke Westermanns Chance dar – kurzfristig sprang sie ein. „Es war schon ziemlich anstrengend, aber es hat mir auch viel gebracht“, verriet sie im Gespräch mit der NWZ: vor allem Sicherheit beim Reden vor anderen, aber auch mehr Selbstbewusstsein beim Vertreten der eigenen Position. Und das machte die jüngste Delegierte so gut, dass sie gleich als eine der besten Rednerinnen der Simulation nominiert wurde.

„Das war schon eine ziemliche Leistung“, stellte auch Louisa von Essen aus dem Organisationsteam, dem so genannten „Inner Circle“, anerkennend fest. Aber nicht nur Mieke Westermann, alle Schüler seien sehr gut vorbereitet gewesen. Das Fazit von Louisa von Essen, Tim Harms und Lukas Quandt war einhellig: „Es lief noch besser als wir gehofft haben.“

Ein bisschen traurig war Mieke Westermann zwar schon, dass die von ihr favorisierte Resolution nicht beschlossen wurde, aber „das gehört in einer Demokratie dazu“, so die 14-Jährige. Und gerade diese Erfahrung, das Bewegen in einem System mit festen Regeln, die man für seinen Vorteil nutzen kann, die aber manchmal auch den eigenen Erfolg verhindern, sei das Besondere an Simulationen wie der Ganmun. Eine Bedeutung, die auch Schulleiterin Dr. Renate Richter vom Gymnasium Ganderkesee sehr schätzt. „Die Schüler sind in ihren Rollen aufgegangen, sie haben Politik erlebt.“

Auch in den anderen Komitees, in denen die humanitäre Unterstützung der Zivilbevölkerung in Syrien sowie der staatlich kontrollierte Verkauf von Cannabis bei gleichzeitigem Verbot synthetischer Drogen gefordert wurde, war man nicht untätig. „Es gab sehr hitzige Diskussionen, teilweise sogar Streit, aber vor allem sehr gute Statements“, fasste Fatima Darwiche vom „Inner Circle“ ihre Erfahrungen zusammen. Und nach dieser gelungenen Premiere soll es im nächsten Jahr weitergehen. Die ersten potenziellen Nachfolger wurden schon angesprochen.