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NWZonline.de Nachrichten Politik

13. August: Wie ein Bollwerk zum Millionengeschäft wurde

13.08.2014

Berlin Erst kommen die „Mauerspechte“. Am 9. November 1989 fällt die Berliner Mauer, schon wenige Wochen später ist sie zwischen Reichstag und Brandenburger Tor über weite Teile durchlöchert. Berliner wie Touristen pickern sich Bröckchen aus den Betonteilen, die die Stadt mehr als 28 Jahre geteilt haben. Fliegende Straßenhändler bieten Mauerstücke an und machen damit Kasse. Danach wird das einstige Bollwerk zum Millionengeschäft – bis heute. Weltweit ist das Interesse ungebrochen. Auf allen Kontinenten stehen Reste der Mauer, in Museen, als Denkmäler.

„Die Mauerreste sind eine Reliquie der Weltgeschichte“, sagt der Historiker Hans-Hermann Hertle vom Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam. „Sie haben einen hohen Symbolwert dafür, dass die Mauer ihren Schrecken verloren hat.“ Am 13. August 1961 riegelte das SED-Regime Westberlin ab. In den kommenden Jahren baute sie einen regelrechten Todesstreifen rings um die Stadt. 138 Menschen starben an dem Grenzwall.

Im boomenden Touristenziel Berlin sind heute zwar nur wenige originale Mauerabschnitte erhalten – aber die Mauer lebt weiter: als Souvenir. Es gibt Mauer-Schlüsselanhänger, Maueraufsteller mit Magnet oder Display, Postkarten mit integrierten Mini-Stückchen, bemalte Mauerreste, riesige Stücke. „Das Interesse an der Mauer ist ungebrochen hoch“, sagt auch Wieland Giebel, Geschäftsführer des Berlin Story Verlags, der Mauer-Souvenirs vertreibt.

Die Mauerstücke kommen von einem Lieferanten, der Verlag hat sich die Echtheit von der Technischen Uni in Berlin bestätigen lassen. Im Internetshop ist ein kleines Mauerstück für 6,90 Euro zu haben, ein etwas größeres für 12,90 Euro. Ein großes „Original Mauerbruchstück“ mit einem Gewicht von 33 Kilogramm kostet 699 Euro.

Nicht nur Souvenirhändler haben noch Mauerreste, auch anderswo lagern noch Stücke des Betonwalls. So habe die Stadt Berlin ein Depot mit Mauerresten bei den „Gärten der Welt“ in Berlin-Marzahn, sagt Anna Kaminsky, Geschäftsführerin der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.

Schon kurz nach dem Fall der Mauer kommen Geschäftsleute auf die Idee, mit den Resten Geld zu verdienen. Unternehmer aus dem In- und Ausland bieten der DDR, die vor dem Bankrott steht, viel Geld für Mauerstücke, wie der Historiker Ronny Heidenreich schreibt. Dann steigt die damalige DDR-Führung ein, mit dem einstigen „antifaschistischen Schutzwall“ soll nun Kasse gemacht werden.

Parallel beginnt im Frühsommer 1990 der Abriss der rund 155 Kilometer langen Mauer. Mit Hilfe von 65 Kränen, 175 Lastwagen und 13 Planierraupen werden die Sperranlagen beseitigt. Für die DDR-Führung lohnte sich das Mauergeschäft am Ende nicht. Die Abrisskosten waren riesig: Sie lagen bei rund 170 Millionen D-Mark, schreibt Heidenreich – der Verkauf von Mauerteilen brachte nur einen Bruchteil ein.

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