WIEFELSTEDE - Einen Monat lang liegen die Listen in allen Gemeinden des Ammerlandes aus. Dann soll sie Ministerpräsident Christian Wulff bekommen.
Von Christian Bartsch
WIEFELSTEDE - Die Bürger um ihre Unterschrift bitten wollen ab heute einen Monat lang die in der Vereinigung „Aktive Pharmazeuten im Ammerland“ (Apia) versammelten Apotheker: So wollen sie erreichen, dass Patienten künftig auf Arzneimittel nur noch einen reduzierten Mehrwertsteuersatz in Höhe von sieben Prozent bezahlen müssen. Derzeit gilt der reguläre Satz von 16 Prozent, nach der von der Großen Koalition in Berlin geplanten Mehrwertsteuererhöhung werden es 19 Prozent sein. „Das halten wir für nicht hinnehmbar“, sagt das Wiefelsteder Apia-Mitglied Ann-Katrin Kossendey, „nahezu fast alle anderen europäischen Staaten entlasten ihre Bürger in diesem Bereich mit Steuersätzen zwischen null und sieben Prozent.“ Auch in Deutschland sei dies möglich.Schließlich, so das Argument von Apia, gelte der verminderte Mehrwertsteuersatz neben Grundnahrungsmitteln auch für andere Waren wie beispielsweise Blumen, Tierfutter und Außer-Haus-Pizza. Ihre Rechnung: Würde die Regierung den Steuersatz auf sieben Prozent absenken, würden die deutschen Patienten um jährlich rund 3,2 Milliarden Euro entlastet. Eine Summe, die dann jedoch der Staat aufbringen oder anderweitig einsparen müsste. „Derzeit holt man sich das Geld bei den schwächsten Gliedern der Gesellschaft – bei den Kranken“, so Kossendey.
Ihre Unterschriftenliste wollen die Apotheker nach Ablauf der vierwöchigen Aktion an Ministerpräsident Christian Wulff überreichen. „Der ist schließlich für Niedersachsen stimmberechtigt, wenn es um die Merhwertsteuererhöhung geht“, erläutert Ralf Menke, Apia-Mitglied aus Rastede, die Wahl des Adressaten. Er hat sich der Gruppierung angeschlossen, um „gemeinsam mit anderen auf regionaler Ebene zu informieren und etwas zu bewirken“.
Die soziale Funktion der Apotheker insbesondere in ländlichen Gebieten hebt derweil Heide Hahn-Reuss, ebenfalls Apia-Mitglied, hervor: „Ich fühle mich immer mehr auf das Kaufmännische reduziert, dabei bin ich für viele Patienten auch Ansprechpartnerin in allen Lebenslagen.“
Die Unterschriftenlisten liegen nicht nur in Apotheken, sondern auch in Arztpraxen und bei Physiotherapeuten des Ammerlandes aus.
