Wiefelstede - „Auch Jugendliche aus anderen Ländern haben durchaus Vorurteile, was Flüchtlinge angeht: Manchmal sogar mehr als Jugendliche in Deutschland“, sagt Svenja Oltmanns. Die gebürtige Wiefel­stederin ist Initiatorin des 2011 gegründeten Vereins „NaturKultur“ mit Sitz in Wiefelstede, der gerade mal wieder 63 Jugendliche im Alter von 13 bis 17 Jahren bei einer internationalen Jugendbegegnung in Wiefelstede betreut. Gefördert werden diese Jugendbegegnungen aus dem EU-Projekt „Erasmus+“ und sind deshalb für die Teilnehmer äußerst günstig.

„Die Jugendlichen aus Deutschland etwa zahlen für alles lediglich 35 Euro“, rechnet Oltmanns vor. Die Jugendlichen kommen aus Deutschland, der Slowakei, Frankreich und Estland. Es ist die zweite Begegnung in Wiefelstede nach 2014. Thema der noch bis Dienstag dauernden Veranstaltung: „Flucht und Migration“.

„Wir wollen mit diesen Begegnungen Vorurteile abbauen – eben auch zu diesem Thema“, sagt Svenja Oltmanns, die derzeit in Bremen lebt und dort Soziologie studiert. In der Oberschule Wiefelstede, in der die Jugendlichen untergebracht sind, werden dazu Workshops abgehalten, „bei denen sich die Teilnehmer auch sehr stark selbst einbringen müssen“, sagt Oltmanns. Auch das Auswandererhaus in Bremerhaven wird besucht.

Die Jugendlichen verständigen sich auf Englisch. Wenn sie es nicht sprechen, kommen die Betreuer – 13 an der Zahl – ins Spiel. „Das funktioniert prima“, sagt die Studentin, die betont: „Offenheit, Neugierde und Kontaktfreudigkeit sind viel wichtiger.“

Mit dabei sind dieses Mal auch Jian (17) und Vian (18) Khalil. Die beiden Mädchen sind mit ihrer Familie aus dem Irak geflüchtet, kamen 2016 in die Gemeinde Wiefelstede. Sie wohnen in Nuttel. Sie hatten ein Plakat erstellt, auf dem sie ihre Flucht aus dem Irak beschrieben. Anhand des Plakats haben sie den anderen Jugendlichen ihre Flucht erläutert. Ein 16-Stunden-Fußmarsch vom Irak in die Türkei durch die Berge, dann in einem kleinen Schlauchboot mit 50 Flüchtlingen nach Griechenland, von dort mit dem Zug nach Österreich, dann mit dem Bus nach Deutschland. Jian versucht, diese Erlebnisse zu verdrängen: „Ich will mein Leben leben“, sagt die 17-Jährige. Ihre Schwester aber sagt: „So etwas vergisst man nie.“

Auch die anderen Teilnehmer der Begegnung hatten schon vor dem Eintreffen in Wiefelstede die „Hausaufgabe“, nach ausländischen Wurzeln in ihren Familien zu forschen – und ihre Ergebnisse dann vorzutragen.

An diesem Montag wollen die Teilnehmer ab 19 Uhr auf dem Schulhof der Grundschule Wiefelstede grillen – und möchten dazu alle Interessierten einladen“, sagt Svenja Oltmanns. Gern dürfen die Gäste dazu auch noch Salate oder zu Grillendes mitbringen.