WIEN - Die vom österreichischen Innenministerium eingesetzte Expertenkommission zur Untersuchung des Entführungsfalls Natascha Kampusch hat am Mittwoch ihren Bericht übergeben. Die zwei Dutzend Experten, die seit Februar insgesamt 166 Akten zu dem sensationellen Fall studierten, kommen darin zu dem Schluss, dass es im Zusammenhang mit den Ermittlungen keine politische Vertuschung gegeben habe.
Kampusch (20) war im August 2006 nach achteinhalb Jahren Gefangenschaft aus der Gewalt ihres Entführers Wolfgang Priklopil entkommen. Priklopil nahm sich kurz danach das Leben.
In den vergangenen Monaten hatte der frühere Chef der österreichischen Kripo, Herwig Haidinger, sowohl der Polizei als auch den Verantwortlichen im Wiener Innenministerium schwere Ermittlungsfehler vorgeworfen. Beide hätten versucht, ihre Versäumnisse zu vertuschen.
Nach einem Bericht des „Stern“ liegen der Polizei neue Erkenntnisse vor, wonach der Entführer von Natascha Kampusch 1998 möglicherweise einen Mittäter hatte. Im Mittelpunkt soll ein Wiener Immobilienhändler stehen, der mit Priklopil bekannt war. Der Mann habe bei seinen Vernehmungen durch die Beamten widersprüchliche Aussagen gemacht, die der Polizei jetzt in einer 20-seitigen Dokumentation vorlägen.
