WILDESHAUSEN - Es ist 10 Uhr. Polizeioberkommissar Karl-Heinz Steuer ist seit drei Stunden im Dienst. Seit 2005 ist er Kontaktbeamter und unternimmt täglich seinen Gang durch die Innenstadt von Wildeshausen. Die Tür zum Haupteingang zum hinteren Gebäudeteil der Polizeiinspektion in Wildeshausen bleibt geöffnet. Zwei Möbelaufbauer drücken ihre Zigaretten aus. Sie liefern gerade die schon langersehnte neue Küche für die Wache an. Bei diesem Anblick wird Polizeioberkommissar (POK) Steuer einen Moment nachdenklich: „Ein neues Gebäude werde ich in meiner Dienstzeit wohl nicht mehr erleben.“
Der Weg führt vorbei an der Alexanderkirche. Steuers Polizeijob gilt unter jungen Kollegen eher als langweilig. Es bedarf schon eines besonnenen und ruhigen Charakters im Alltag in der Innenstadt. Aufregende Verbrecherjagden gibt es kaum eine. Dafür stehen die vielen kleinen Vergehen im Fokus. „Oft reicht schon das kurze Gespräch“, berichtet der Beamte. „Manchmal sind es alleinlebende oder alte Menschen, die nur ein Gespräch suchen.“ Dann müsse man einfach zuhören.
Am Ende der Herrlichkeit hält ein Wagen mit zwei Männern. „Herr Polizist, können Sie uns sagen, wo wir eine Anzeige erstatten können?“, fragt der Fahrer mit ausländischem Akzent. Der Beamte zeigt auf das Polizeigebäude: „Da müssen Sie hinfahren. Die Kollegen helfen Ihnen.“ Kaum 100 Meter gelaufen und schon konnte Steuer direkt helfen. Das soll sich in dieser Stunde öfters wiederholen.
Zehn Meter weiter: Der Fahrer eines Auslieferungsfahrzeuges eines Baubedarfhandels will auf der Kirchstraße weiterfahren. Eine Auto-Fahrerin hat gerade ihren Geländewagen geparkt. Sie steht aber etwas zu weit aus der Parkfläche heraus. Ruhig geht der Beamte zu der sichtlich aufgeregten Frau und bittet sie, doch ihren Wagen ein Stück zurückzusetzen. Schließlich gelingt es der Frau, ihren Wagen an die richtige Stelle zu rangieren. Wieder ein Alltagsproblem gelöst.
Von der Kirchstraße führt der Weg in die Westerstraße. Die ist heute gesperrt, es ist Wochenmarkt. Langsam lässt Steuer seinen Blick in Richtung der Radfahrer schweifen. Er weiß aus Erfahrung: Viele ignorieren einfach das Durchfahrtsverbotsschild oder wissen zum Teil gar nicht, dass sie hier nicht auf dem Rad fahren dürfen. Auf dem Marktplatz angekommen, fährt ein junger Mann mit dem Rad. Zu weit, um ihn zur Rede zu stellen. „Außerdem kommt es auch darauf an, ob der Radfahrer auch wirklich an dem Durchfahrtsverbotsschild vorbeigekommen ist. Hat er dazu keine Gelegenheit gehabt, dann gibt es keine Strafe.“
Zwischendurch nickt Steuer freundlich vielen Passanten zu. Die grüßen zurück. Man kennt sich. Auch die Inhaber der Wochenmarktstände kennen ihn. Ein Smalltalk hier, ein freundliches Wort dort. Dann begrüßt er Hermann Stahl, der gerade einkaufen geht. Stahl war von 1978 bis 1988 Marktmeister in Wildeshausen und arbeitete von 1968 bis zur Pensionierung im Bauamt. Ein Gespräch entsteht. Wieder zuhören, verstehen.
Dann dreht sich der Kontaktbeamte um. Eine Frau mit einem Kleinkind auf dem Kindersitz hat das Durchfahrtsverbot missachtet. Auch hier behält er die Ruhe. Die Frau zeigt sich schnell einsichtig. Sie ist froh, mit ein paar ermahnenden Worten davongekommen zu sein.
Von der Westerstraße geht es in die Heiligenstraße. An der Einmündung zur Kleinen Straße steht ein Auto. Der Besitzer sieht den Beamten, eilt zum Wagen und fährt davon. „Der wusste, dass er hier in dem verkehrsberuhigten Bereich nicht außerhalb der ausgewiesenen Stellen parken darf. Aber es gibt auch andere, denen das nicht bewusst ist.“
Von der Heiligenstraße geht es in die Kleine Straße. Ein Mann fegt die Straße, steigt dann schnell in seinen Kleinwagen und fährt davon. Davor steht ein Auto aus dem Diepholzer Raum. Steuer zückt den Block mit den Strafzetteln. Zehn Euro€ sind fällig. „Auch für diesen Fahrzeugführer gilt: Hier darf er nicht halten.“ Zehn Meter weiter das gleiche Spiel. Wieder ein Strafzettel. Bereits zum zweiten Mal kommt der Kleinwagen mit dem Mann vorbei, der zuvor die Straße gefegt hatte. Er ist uneinsichtig: „So werden die Letzten aus der Innenstadt vertrieben. Machen Sie darüber einmal eine Reportage.“
Steuer kennt die Ausreden von Parksündern zur Genüge. „Was soll ich machen, die Regeln der Straßenverkehrsordnung müssen eingehalten werden.“
