WILDESHAUSEN - Auch fast 31 Jahre nach seinem Ausscheiden aus dem Amt des Wildeshauser Stadtdirektors ist Wolfgang Jäkel in der Wittekindstadt ein Begriff. Zu seinem 85. Geburtstag an diesem Mittwoch hat er eine große Grußkarte mit den besten Glückwünschen von ehemaligen und heutigen Bediensteten der Stadtverwaltung erhalten. Mehr als 60 Unterschriften kamen zusammen. Da ihn die Karte vorzeitig an seinem heutigen Wohnort, Torre del Mar in Malaga/Spanien, erreichte, ist auch schon die Reaktion des Jubilars überliefert. Der einstige Stadtdirektor „war richtig sprachlos“, so einer der Organisatoren der Aktion.
Jäkel war von 1966 bis 1978 Stadtdirektor von Wildeshausen. Als hauptamtlicher Chef der Verwaltung „verwandelte er innerhalb weniger Jahre eine verträumte Kleinstadt in eine attraktive begehrenswerte Stadt mit allen Vorzügen und Schönheiten“, so damals zum Amtsabschied der Baudirektor i.R. Winfried Zehme in der NWZ über die als sehr erfolgreich geltende Amtszeit Jäkels.
Am 7. Januar 1924 kam Jäkel auf die Welt. Als junger Soldat wurde er im Zweiten Weltkrieg verwundet. 1947 begann seine Verwaltungslaufbahn in Duisburg, unter anderem im Hochbauamt. Ab 1959 wirkte er als allgemeiner Vertreter des Gemeindedirektors in Wiehl bei Köln. Am 8. Juli 1965 wählte ihn der Wildeshauser Stadtrat einstimmig auf zwölf Jahre zum Stadtdirektor. Es begann eine oft stürmische Amtszeit, in der es oft Konflikte zwischen Rat und Jäkel gab. Selbst die Kritiker bescheinigten ihm aber bei seinem Abschied 1978, dass er viel für Wildeshausen erreicht habe.
In der Amtszeit Jäkels wurden mehr als 200 Millionen Mark in öffentlichen Einrichtungen investiert, oft unterstützt durch Fördermittel von Land und Bund. Schulen (so das heutige Schulzentrum Humboldtstraße) wurden neu gebaut, ein breit gefächertes Erholungs- und Freizeitangebot, unter anderem mit dem Hallen- und Freibad am Krandel, geschaffen. Wildeshausen stieg auf zum Mittelzentrum mit wichtigen Funktionen für das Umland, wurde staatlich anerkannter Luftkurort im Naturpark Wildeshauser Geest. Mehr als 30 Betriebe kamen neu in die Stadt. Ein Generalverkehrsplan beschäftigte sich damals mit den Entlastungen der Innenstadt, viele Straßen wurden aus- und neu gebaut, so der Westring im ersten Abschnitt. Es entstand eine Kanalisation im Trennsystem mit vollbiologischer Kläranlage, ausgelegt auf 40 000 Einwohner. Intensiv verfolgte Jäkel den Plan, einen Wildeshauser See durch Stau der Hunte zu schaffen.
Die Differenzen mit Teilen des Rates und dem ehrenamtlichen Bürgermeister waren so groß, dass eine Wiederwahl 1978 nicht zustande kam. Jäkel wechselte in das Büro des damaligen SPD-Landesministers Karl Ravens. Stadtdirektor wurde Jäkels Stellvertreter Helmut Grimjes.
