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Gildefest Mit Glück und Gottvertrauen

Uta-Maria Kramer

WILDESHAUSEN - Er kann sich noch erinnern, wie ein Zeppelin über dem Wildeshauser Luftschiffhafen flog, hat einen schweren Granatenangriff im Schützengraben überlebt, mit zwei Ehefrauen Silberhochzeit gefeiert und erzählt all das, als sei es erst gestern gewesen. Die Rede ist von Generalmajor Hans „Hänel“ Spille. Seit 80 Jahren ist der 97-jährige Mitglied der Gilde – dafür wird er dieses Jahr zu Pfingsten besonders geehrt.

Ins Rathaus geschlichen

Der Ur-Wildeshauser kann sich noch genau an das Gildefest 1932 erinnern, als er zusammen mit seinen zwei Brüdern und rund 50 anderen jungen Männern in die Gilde eingetreten ist. „Mein Vater war 1924 Schaffer gewesen, da war es für mich selbstverständlich, seinem Beispiel zu folgen“, erzählt der rüstige Senior, dessen schönste Erinnerungen mit der Gilde zusammenhängen. Eine davon ist, wie er zusammen mit seinen Geschwistern oben aufs Rathaus schlich, um die Proklamation des Vaters mitzuerleben. „Die Wache wollte das erst nicht, aber wir haben solange gebettelt, bis sie ein Auge zugedrückt hat“, erzählt er mit einem schelmischen Blitzen in den Augen.

Nach seinem Eintritt in die Gilde kam Spille – zusammen mit allen anderen Rekruten – in die 4. Kompanie, die sogenannte „Knüppelgarde“. „Der alte Heinemann war damals Oberst und Hermann Petermann Adjutant des Oberst“, erzählt er. Eifrig getanzt worden sei seinerzeit noch, betont der leidenschaftliche Tänzer, der früher kaum einen langsamen Walzer ausließ.

Das blieb auch so, als Spille – zwanzig Jahre nach seinem Vater – selbst zum Schaffer proklamiert wurde. „Das war wunderschön, aber genauso schön war es, als 2006 meine Enkeltochter Petra und ihr Mann Thomas Finkenzeller Schafferpaar wurden“, erzählt der 97-Jährige aus seinem reichen Erinnerungsschatz. In seinen 21 Jahren als Adjutant des Oberst erlebte er fünf verschiedene Oberste, bevor er 1994 dieses ehrenvolle Amt selbst bekleidete.

In Spilles Haus in der Dr.–Dürr-Straße zeugen zahlreiche Bilder und Dokumente von den vergangenen Jahrzehnten. Hier lebt er Tür an Tür mit Tochter Marianne und Ehemann Jürgen, die den Senior im Alltag unterstützen. „Ohne meine Tochter geht gar nichts. Oft sitzen wir mit vier Generationen bei ihr am Mittagstisch“, freut er sich über die Harmonie in der Familie.

Glück und Gottvertrauen

Doch auch Schicksalsschläge galt es zu meistern wie die harten Kriegsjahre, den Verlust von Mariannes Zwillingsschwester Hildegard, die noch als Baby im Krankenhaus infolge eines Bombenangriffs starb, sowie den Tod der beiden geliebten Ehefrauen. Dass Spille trotz alledem nie den Lebensmut verlor, schreibt er seinem Gottvertrauen zu: „Ich weiß, dass ich viel Glück in meinem Leben hatte, und habe stets eine gute Verbindung zu Gott und zur Gottesmutter gehalten.“

Auf die Frage, was für ihn das Schönste an der Gilde ist, muss Spille nicht lange überlegen: „Es ist die Gemeinschaft, die Tatsache, dass alle Bürger zusammen feiern und sich wohl fühlen.“ So freut er sich schon jetzt – sofern die Gesundheit es zulässt – auf die Fahrt in der Kutsche, wenn es wieder heißt „Pingsten ward fiert“.

 @ Ein Spezial unter

http://www.NWZonline.de/gildefest

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