WILDESHAUSEN - Zu später Stunde wurde im Wildeshauser Haushalts-, Wirtschafts- und Finanzausschuss Tacheles geredet: „Sagen Sie doch öffentlich, dass Sie den Bahnhof verfallen lassen wollen“, herrschte Traute Sandkuhl (Grüne) die Vertreter von CDU und FDP an. Bei den Beratungen zum Haushaltsplan 2009 hatte die Mehrheitsgruppe vorgeschlagen, im Vermögensetat die Sanierungskosten für das Bahnhofsgebäude von 38 000 auf 2000 Euro zu drücken.

CDU-Fraktionschef Dr. Volker Pickart bekannte Farbe: „Das Gebäude ist baufällig und wohl nicht mehr zu retten“, sagte er unter Bezug auf das Gutachten eines Wildeshauser Architekturbüros. Pickart betonte, falls sich kein Investor finde, müsse aus seiner Sicht das Bahnhofsgebäude „über kurz oder lang wohl abgerissen werden“. Uwe Dekker (CDU) wies darauf hin, dass die Bahn AG, nicht aber die Stadt, den maroden Zustand des Gebäudes zu verantworten habe. Die Stadt hatte das Gebäude und die Nebenflächen bis zur Ahlhorner Straße seinerzeit für rund 250 000 Euro erworben.

Wilfried Johannes, Leiter des Fachbereichs Bau, betonte, dass das Gebäude mit geringen Mitteln gesichert worden sei. Gefahren für Reisende bestünden nicht. Da nur wenig Mittel zur Verfügung stünden, könne nicht die Bahnhofsuhr repariert werden, so Johannes.

Sandkuhl warf der Mehrheitsgruppe vor, sie hätte gleich sagen können, was mit dem Gebäude geschehen soll. „Dann hätten wir den Arbeitskreis gar nicht gebraucht.“ Die für den 11. Dezember geplante Sitzung des „Arbeitskreises Bahnhof“ wurde abgesagt, weil mehreren Fraktionen dieser Termin nicht zusagt.

Bei vier Gegenstimmen empfahl der Ausschuss, die investiven Mittel für den Bahnhof auf 2000 Euro festzusetzen. Rainer Kolloge (UWG) warnte davor, erneut ein historisch wertvolles Gebäude abreißen zu lassen. „Eigentlich müssten doch 1,5 Millionen Euro für den Bahnhof drin sein“, sagte er unter Hinweis auf die Mittel für die Sanierungen an den Schulen. Die UWG wolle die Bürger mobilisieren, um das Gebäude zu retten.