WILDESHAUSEN - Kuchen und Saft gab es für die Kinder im elterlichen Stall. Heute läuft Oeljeschläger in der Knüppelgarde mit.

von daniela Dinstbier

WILDESHAUSEN - Wie er zu den Ehren des Amtes als Kinderschaffer kam, daran kann sich Wilfried Oeljeschläger kaum noch erinnern. Immerhin sind seitdem schon genau 50 Jahre vergangen: 1956 wurde er dazu auserkoren, das kommende Kinderschützenfest zu organisieren „Da hatten meine Eltern ihre Finger im Spiel“, weiß Oeljeschläger. Eine Wahl hatte er damals allerdings nicht. „Da hieß es, du bist es. Und basta“, erinnert sich der ehemalige Betriebsleiter des Kurbades im Krandel.

Er selbst habe sich als Zehnjähriger von dem Amt überrumpelt gefühlt. Schließlich hatte er im Gegensatz zu dem Kinderkönig keine Leistung erbracht, sondern wurde lediglich ernannt. „Ein Siegesgefühl hatte ich daher gar nicht“, so Oeljeschläger. Und das, obwohl ihm vollkommen fremde Menschen zujubelten. „Keiner kannte mich, aber als wir durch die Stadt zogen, waren alle begeistert“, erinnert sich der 60-Jährige.

Mit einem Zylinder und einer Krone marschierte er gemeinsam mit seinen Trommlern, Ehrendamen, Pionieren und dem Königspaar über die Ahlhorner Straße zum Krandel. Den Zylinder hatte er sich von seinem Großvater ausgeliehen. „In die Falte des Zylinders wurde dann etwas Zeitung gestopft, damit er mir nicht über die Augen rutschte.“

Zur Seite stand ihm als Kinderschafferin Traute Löschen. Den Hofstaat hatte er sich aus seinen Freunden und Bekannten zusammengestellt. An Peter Jüchter, Fritz Rietkötter und Renate Kern erinnert sich Oeljeschläger noch.

Geprobt wurde für den großen Auftritt auch. Insbesondere die Trommler bedurften einer intensiven Schulung. „Sie mussten immerhin den Rhythmus treffen. Dafür wurde auf Holzhockern bei einem Herrn Mahlstedt geprobt“, weiß Oeljeschläger noch.

Mit dem Amt des Kinderschaffers sei die Vorpfingstzeit ausgefüllt gewesen. Schließlich seien auch noch die Kinder der Stadt zu bewirten gewesen. „Da kamen dann 50 bis 100 Kinder zu mir nach Hause, die mit Essen und Trinken versorgt sein wollten“, erinnert sich der Vater zweier Kinder. Es habe Butterkuchen und Fruchtsaft gegeben. Damit auch alle Kinder einen Platz hatten, wurden im Stall seiner Eltern Balken als Bänke auf den Boden gelegt.

Eine Sache gibt es allerdings, an die sich der ehemalige Kinderschaffer nicht gerne zurück erinnert. „Das ist der Ehrentanz in dem Festzelt gewesen. Mit zehn Jahren wollte ich lieber angeln und Fußball spielen, anstatt vor Publikum zu tanzen.“

Heute marschiert Wilfried Oeljeschläger nur noch in der Knüppelgarde am Pfingstdienstag zum Krandel. „Das Offizielle habe ich mit zehn Jahren hinter mich gebracht“, schmunzelt er.

Das Amt des Kinderschaffers wurde im Jahr 1962 das letzte Mal vergeben, da es immer schwieriger wurde, Jungen und Eltern zu finden, die sich für das Amt zur Verfügung stellten.

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NWZ/LANDKREIS/.5