Wildeshausen - Gut gefüllt war der Reitersaal des „Hannoverschen Hofes“ in Wildeshausen. Dorthin hatten die Liberalen des Kreisverbandes Oldenburg Land zum ersten Neujahrsempfang eingeladen. Dazu hatten sie sich intern Unterstützung aus dem Kreisverband durch die Bundestagsabgeordneten Christian Dürr (Ganderkesee) und Konstantin Kuhle (Wahlkreis Göttingen) ins Boot geholt.

Für den Kreisverband, seit März 2019 neu konstituiert, war der Neujahrsempfang schon ein Schritt in Richtung der nächsten Landtagswahl. Niedersachsen wählt 2022 ein neues Parlament und da wollen die Liberalen ein Wörtchen mitreden.

„Bildung, Wirtschaft und Landwirtschaft waren schon immer unsere Themen. Das werden wir erneut unterstreichen“, sagte Kreisvorsitzende Imke Haake in ihrer Begrüßung. Bevor Konstantin Kuhle in seinen Vortrag „Stadt-Land: Leben verbindet“ einstieg, ergriff auch Christian Dürr das Wort. Er stellte FDP-Standpunkte wie contra Bon-Pflicht vor und forderte, in der Klimaschutzdiskussion auf die Wissenschaftler und Techniker zu hören. „Es gibt nicht die eine Technologie, sondern nur einen Mix“, so Dürr. Er sprach sich gegen den Tod des Verbrennungsmotors aus – Stichpunkt schadstoffneutrale Dieselkraftstoffe. Dürr: „Wenn die Kollgen im Bundestag alles besser wissen als unsere Techniker, dann sollen sie es auch beweisen.“

Die Landwirtschaft bezeichnete er als Ernährungswirtschaft und äußerte Verständnis für die Bauernproteste. „Wir in Niedersachsen haben den Auftrag, ein Stück die Welt zu ernähren.“ In Sachen Zuverdienst, von dem zum Teil bis zu 80 Prozent vom Staat aufgefressen würden, zeigte er kein Verständnis.

Schließlich hob er hervor, dass der Solidaritätsbeitrag seit Anfang des Jahres wahrscheinlich verfassungswidrig sei. Die Basis dafür sei nicht mehr vorhanden. Deshalb dürfe er nicht mehr erhoben werden. „Wir werden weiter die Finger in die Wunde legen“, meinte Dürr.

Sein Bundestagskollege Kuhle, zudem FDP-Generalsekretär in Niedersachsen, ging auf die Kommunalwahlen 2021 ein. „Es wird für alle schwieriger, Bürgermeisterposten und andere Ämter nach den neuesten Entwicklungen mit persönlichen Bedrohungen zu besetzten. Das wird uns fordern.“ Deshalb forderte er mehr Optimismus, Offenheit und Respekt. Zum Beispiel auch in der Klimaschutzdiskussion. „Uns wird nicht zugehört. Wir müssen die Dialoge steigern und ausbauen, junge Menschen ernstnehmen und uns mit ihnen auseinandersetzen und nicht von Klimanotstand reden. Die Welt geht nicht unter und Panik ist unangebracht. Wir müssen auf Fakten bauen und der Wissenschaft vertrauen“, hob Kuhle hervor.

Er forderte mehr Respekt für den ländlichen Raum. „Auch Pendler sorgen für Arbeitsplätze. Im ländlichen Raum werden wir nicht so schnell auf den Otto-Motor verzichten können“, so Kuhle. Das Verhältnis von Stadt und Land sei gar nicht so unterschiedlich. Die meisten Menschen würden in Klein- und Mittelstädten mit 10 000 bis 15 000 Menschen leben. Die Hindernisse im Bauen wollte Kuhle minimiert sehen, um Bauen, Wohnen und Gemeinschaft zu fördern.