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Pogrom-Gedenkstunde In Wildeshausen Mahnmal gegen Hass und Rassismus

Imke Harms

Wildeshausen - „Derartiges darf nie, nie wieder passieren. ,Wehret den Anfängen’, heißt es. Und genau das müssen wir unbedingt tun“, mahnte der Bürgermeister der Stadt Wildeshausen Jens Kuraschinski am Donnerstagnachmittag bei der Gedenkstunde, die zum Jahrestag der Reichspo-gromnacht 1938 ausgerichtet wurde.

Eingeladen hatten der Landesverband jüdischer Gemeinden in Niedersachsen gemeinsam mit dem Präventionsrat der Stadt Wildeshausen sowie dem Bürger- und Geschichtsverein. Im Anschluss an die Gedenkfeier konnten die Teilnehmer einen Erinnerungsgang durch die Wildeshauser Innenstadt mitmachen und vieles aus der jüdischen Geschichte erfahren.

Zu Beginn hatte Bodo Riethmüller, Vorstand der jüdischen Gemeinden Niedersachsen, alle Anwesenden auf dem jüdischen Friedhof an der Delmenhorster Straße begrüßt und sich für „die Bereitschaft, der Reichspogromnacht zu gedenken“, bedankt.

Wie Vieh getrieben

Am 9. November vor 79 Jahren wurden Juden inhaftiert, gedemütigt und verfolgt. Viele von ihnen wurden getötet. „Sie wurden wie Vieh durch die Straßen gezerrt und dann in Waggons in Konzentrationslager deportiert. Nur wenige überlebten diese Gräueltaten“, berichtete Riethmüller. Über die Behandlung der Juden speziell in Wildeshausen gebe es wenige handfeste Beweise, „aber aus Oldenburg, Leer und Aurich wissen wir ganz sicher, dass in dieser Nacht unbeschreiblich viele Wohnungen und Einrichtungsgegenstände zerstört und die Menschen per Bahn nach Sachsenhausen – nördlich von Berlin – verfrachtet wurden. Selten mit gutem Ausgang.“

Auch die Synagoge, die in Wildeshausen an der Huntestraße stand, wurde zerstört – am helllichten Tag des 10. Novembers. Bürgermeister Jens Kuraschinski sagte dazu: „Wenn ich richtig recherchiert habe, hat ein Abbrennen der Synagoge nicht geklappt, so dass sie mit einem riesigen Lands Bulldog eingerammt wurde.“ Es sei wichtig, ein Mahnmal gegen Hass und Rassismus zu setzen sowie die Gräueltaten der Nationalsozialisten nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

1600 Synagogen waren in Deutschland komplett oder teilweise zerstört worden. „Damit wurde den Juden in einer ohnehin schwierigen Zeit noch ihr letzter Zufluchtsort genommen“, beschrieb Riethmüller.

Es wurde ein Gebet gesprochen, bevor der Erinnerungsgang in Richtung Innenstadt startete. Schüler der neunten Klassen der Realschule gestalteten den Gang entlang der Häuser, in denen einst jüdische Familien wohnten.

Realschüler lesen vor

Dass das Thema auch Jugendliche beschäftigt, zeigten die Schüler, in dem sie vor jedem Haus Beiträge vorlasen, die sie vorbereitet hatten. Die Lebens- und Leidensgeschichten der jeweiligen Bewohner wurden vorgetragen. Vor den Häusern erinnern goldene sogenannte Stolpersteine an jeden Bewohner.

Im Anschluss an den Erinnerungsgang zündeten die Schüler auf dem Marktplatz für jeden Stein ein Teelicht an. Diese wurden in einem Kreis um den Fahnenmast aufgestellt, an dem die Fahne zum Gedenken an den 9. November 1938 gehisst war.

„Als die Stolpersteine verlegt wurden, war die Abmachung, dass in jedem Jahr eine andere Schule für die Erarbeitung des Erinnerungsgangs zuständig ist“, erzählte Charlotte von Olearius, die viele Jahre lang Sprecherin des Arbeitskreises für Demokra tie und Toleranz war.

Der letzte Stolperstein ist der Familie Goldstein gewidmet. Die Nachfahrin Selma Goldstein lebt noch in den Niederlanden. Sie ist vor kurzem 86 Jahre alt geworden. „Wir halten engen Kontakt zu ihr. Vor einiger Zeit hat sie uns besucht und durfte ihr altes Kinderzimmer des Elternhauses besichtigen. Die Verbindung ist enorm wertvoll“, berichtete Ingeborg Jacoby, die den Arbeitskreis gegründet hatte. Sie plädierte dafür, das Andenken an die Verbrechen an den Juden weiterzuführen und alljährlich Erinnerungsgänge zu planen.

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