Wildeshausen - In Sachen Rente kennt Rolf Lambertz sich aus. Und das hat nichts damit zu tun, dass der 78-jährige Wildeshauser selbst Rentner ist. Lambertz ist ehrenamtlicher Versichertenberater der Deutschen Rentenversicherung Bund und greift jedem im Landkreis Oldenburg unter die Arme, der Hilfe benötigt. Seit fast 19 Jahren ist Rolf Lambertz damit eine Stütze der Gesellschaft.
Damals, im Jahr 2000, stand er noch in Lohn und Brot. Lambertz, gelernter Maschinenbauermeister, war seinerzeit Geschäftsführer beim CDU-Landesverband Oldenburg. „Ich bin auch seit 60 Jahren Mitglied der Kolpingsfamilie. Sie schlug mich 1999 für die Sozialwahl vor, über die ich dann im Jahr danach ehrenamtlicher Versichertenberater wurde.“
Jedes Jahr wird Rolf Lambertz, wie 2600 weitere Männer und Frauen in Deutschland, als Versichertenberater fit gemacht. „Ich fahre 2019 wieder nach Lüneburg zur Schulung, wo wir die neuen Entwicklungen erfahren.“
50 bis 60 Anträge füllt Lambertz pro Jahr mit den Antragsstellern aus. Hinzu kommen 20 Beratungen. „Ich mache viel Hinterbliebenenrente.“ Die Hinweise erhält er von Beerdigungsinstituten, die auch den Termin für ihn vereinbaren. In der Regel fährt er zu den Betroffenen hin, um den Antrag für die Hinterbliebenenrente auszufüllen. Ansonsten kommen die Leute zu ihm. „Das Ausfüllen eines Antrags oder eine Rentenberatung dauert meistens rund eine Stunde, sofern alle Unterlagen vorliegen“, weiß Lambertz aus Erfahrung.
Bei trauernden Menschen sei er auch oft als Zuhörer gefragt. Dann nehme er sich auch zwei Stunden Zeit. Die meisten Personen seien bereits Rentner. Er habe aber auch schon jungen Familien helfen können, wo der arbeitende Vater gestorben sei.
Eine regelmäßige Sprechstunde wie sein Kollege Rolf Meyer aus Huntlosen (Versichertenältester der Deutschen Rentenversicherung Oldenburg-Bremen) bietet Rolf Lambertz nicht an. Die Kontakte kämen oft über die Rentenversicherung zustande, wenn sich Leute dort informierten und Lambertz als „Ansprechpartner in der Nachbarschaft“ genannt bekämen. „Durch diese Tätigkeit lerne ich viele Leute kennen“, erzählt er. „Ich übe mein Ehrenamt mit Freude und Überzeugung aus. Für jede Beratung nehme ich mir Zeit und versuche, individuelle Fragen gleich vor Ort zu klären.“
Als schwierige Fälle würden sich oft Anträge zur Erwerbsminderungsrente erweisen. „Dazu sind viele Unterlagen erforderlich, unter anderem von Ärzten“, erklärt Lambertz. Parallel hätten die Betroffenen auch noch mit ihrer Krankheit zu kämpfen. Es komme nicht selten vor, dass ein Antrag auf Erwerbsminderungsrente beim ersten Mal abgelehnt werde. Dann kämen die Personen erneut auf Rolf Lambertz zu und bäten erneut um Hilfe.
Rente gibt es nur auf Antrag. Wer auf die Altersrente zugeht, sollte drei Monate vorher tätig werden, empfiehlt der Fachmann. Mittlerweile würden viele Leute ihre Antrag online stellen, es gebe aber auch ein Büro der Deutschen Rentenversicherung in Oldenburg. Die dritte Variante ist die Antragstellung mit Hilfe von Rolf Lambertz.
Eine Amtsperiode als ehrenamtlicher Rentenberater läuft sechs Jahre – die aktuelle bis Ende 2023. „Das ist meine vierte Amtszeit“, berichtet Lambertz. Es soll seine letzte sein.
