Stapelfeld - Ob Fragen zum demografischen Wandel, zur Wirtschaftskraft des Oldenburger Münsterlandes, zum nur bei Außenstehenden schlechten Image der Region oder zur in dieser Frage in der Kritik stehenden Agrarwirtschaft – die beiden Landräte der Region, Johann Wimberg und Herbert Winkel, hatten beim politischen Aschermittwoch in der Katholischen Akademie Stapelfeld nicht nur passgenaue, sondern zumeist auch konforme Antworten.
Wer unter den 300 Gästen ein Duell der seit 111 Tagen im Amt befindlichen Landräte erwartet hatte, wurde enttäuscht. Aber es wurde dann wenigstens – das einträchtige Nebeneinander von Ex-Minister Uwe Bartels (SPD) und MdB Franz-Josef Holzenkamp (CDU) deutete es schon an – ein interessantes Duett.
Die Nachbarschaft zu Vechta sei motivierend, befand Cloppenburgs Landrat Wimberg. „Wir sind eins – und gut zu zweit“; deshalb könnten beide auch gemeinsam stärker aufschlagen in Hannover. Wimberg zählt die Menschen zu den Stärken der Region. Diese hätten mit ihrer Tatkraft aus dem Armenhaus eine Boomregion gemacht – konservativ, bodenständig, aber nie abgewandt. Das Armenhaus war einst vor allem der Cloppenburger Nordkreis, während in Emstek, Essen oder Lastrup sowie in fast allen Kommunen im Kreis Vechta kräftig die Steuerquellen sprudeln.
Welche Probleme sind denn als nächstes zu lösen? Als aktuelle Nüsse seien das Problem der Breitbandversorgung und die – noch mindestens fünf Jahre – räumliche Sorgen bereitende Inklusion zu knacken, so Winkel. Wimberg nannte die medizinische Versorgung, den Personennahverkehr für den Flächen-Landkreis Cloppenburg und die Sorge um die wiederkehrende Tendenz in die Großstädte. „Aber wir wissen auch, dass die Kinder hier behüteter sind als im Megazentrum.“
Beide klopften sich unter zustimmendem Murmeln der Zuschauer für die Integration der Aussiedler auf die Schulter. In der Beurteilung des Agrarsektors konnte der aufmerksame Zuhörer doch die eine oder andere unterschiedliche Nuance feststellen. „Der Agrarsektor ist kein Negativfaktor“, klang es aus Vechta, während Wimberg Anstrengungen auch bei den Bauern einforderte, um das Image der Agrar- und Ernährungsindustrie in der „Speisekammer der Republik“ zu verbessern. „Wir müssen das eine oder andere in der Landwirtschaft verändern.“
Er verglich die Region mit dem Ruhrgebiet. Die enorme Wirtschafts- und Industriedichte des Potts sei verbunden mit Kohle, schlechter Luft und vernichteter Umwelt. So ähnlich sei die Wirkung des Ernährungsgewerbes im Oldenburger Münsterland. Winkel bekräftigte den Bestandsschutz für Stall und Tiere. „Diesen Teil der Wirtschaft können wir nicht reduzieren, erst recht nicht abschaffen – „da kann ein Landesminister sagen, was er will“.
