Nordenham - Während in anderen Gemeinden heiße Diskussionen über die Ausweisung neuer Windparks laufen, hat dieses Thema in Nordenham bisher keine große Rolle gespielt. Doch das könnte sich schon bald ändern: Im Rathaus haben sich jetzt Investoren gemeldet, die Windkraftanlagen auf dem Gebiet der Stadt Nordenham errichten möchten. Auf Nachfrage der NWZ hat Bürgermeister Carsten Seyfarth am Montag die Interessenbekundungen bestätigt. Einzelheiten wollte das Stadtoberhaupt aber noch nicht nennen, weil Vertraulichkeit mit den Investoren vereinbart worden sei.
Seit 2002 in Betrieb
Nach dem jetzigen Stand des Planungsrechts ist es nicht zulässig, neue Windmühlen zur Stromerzeugung in Nordenham aufzustellen. Der einzige genehmigte Standort für einen Windpark befindet sich am Butterburger Weg bei Esenshamm. Dort sind seit dem Herbst 2002 sechs Windräder in Betrieb. Die Windpark Solutions GmbH mit den Gesellschaftern Karl-Georg Graf von Wedel (Gödens) und Jörg Beland (Husum) sowie eine Fondsgesellschaft der Cuxhavener Umwelt-Management AG hatten die Anlagen für rund 8 Millionen Euro errichtet. Der Butterburger Windpark kann 9 Megawatt leisten, ist aber nach Vorgabe der Stadt Nordenham auf 7,5 Megawatt gedrosselt.
Dass es nun Begehrlichkeiten weiterer Investoren gibt, hängt mit den sich abzeichnenden Veränderungen bei den planungsrechtlichen Vorgaben ab. „Es könnte Bewegung in die Sache kommen“, sagte Bürgermeister Carsten Seyfarth mit Hinweis auf die Überarbeitung des regionalen Raumordnungsprogramms durch den Landkreis Wesermarsch.
Raumordnungsprogramm
In dem Raumordnungsprogramm wird unter anderem festgelegt, wo es in der Wesermarsch Flächen gibt, die für eine Windpark-Ansiedlung in Betracht kommen. Die gutachterliche Grundlage dafür stellt der Landschaftsrahmenplan dar, den der Landkreis Wesermarsch ebenfalls aktualisieren lässt.
Der erste Landschaftsrahmenplan für die Wesermarsch stammt aus dem Jahr 1992. Im Zuge der mittlerweile erfolgten Neubewertung, bei der es vor allem um die Belange des Naturschutzes geht, hat sich laut Carsten Seyfarth abgezeichnet, dass neben Butterburg womöglich noch weitere Flächen im Nordenhamer Stadtsüden für Windkraftanlagen in Betracht kommen können. Die genauen Standorte nennt der Bürgermeister angesichts des frühen Planungsstandes allerdings nicht.
Stadtrat entscheidet
Falls es das künftige Raumordnungsprogramm hergibt, dass sich in Nordenham wieder die Türen für Winkraftinvestoren öffnen, ist das aber noch lange keine Freifahrtschein für die Betreiber. Denn die Planungs- und Entscheidungshoheit bei der Frage, ob weitere Windräder zur Stromerzeugung zugelassen werden, liegt nach wie vor bei der Stadt Nordenham.
Sollte die Politik zu der Auffassung gelangen, dass im Stadtgebiet ein zusätzlicher Windpark errichtet werden darf, müsste der Stadtrat dafür eine Änderung des Flächennutzungsplans beschließen.
