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St. Marienkrankenhaus „Wir haben bislang viel richtig gemacht“

Friesoythe - „Krankenhäuser haben einen zentralen Stellenwert bei der Gesundheitsversorgung der Bevölkerung. Vor allem in einem Flächenland wie Niedersachsen ist es entscheidend, für die Menschen eine qualitativ hochwertige, wirtschaftliche und wohnortnahe Akutversorgung langfristig sicherzustellen.“ So steht es im Masterplan Soziale Gesundheitswirtschaft des Landes Niedersachsen aus dem Jahr 2016. Ein Ziel sei, so steht es dort, die Sicherung der medizinischen Versorgung insbesondere im ländlichen Raum.

Bernd Wessels, Geschäftsführer des St. Marienhospitals Friesoythe, liest solche Statements gerne. Denn ein Krankenhaus auf dem Lande am Leben zu halten, ist aus finanzieller Sicht keine leichte Aufgabe. Da werden positive Signale der Politik gerne registriert.

Es geht nämlich auch anders. Als kürzlich der Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium Karl-Josef Laumann zu Gast in Friesoythe war, waren Wessels und Vertreter der Mitarbeiter des St. Marienstiftes über seine Aussagen gleichermaßen irritiert. Im Kern teilte er mit: Das Friesoyther Krankenhaus sei mit 115 Betten viel zu klein, um zu überleben. Wer nicht mit anderen Häusern kooperiere oder fusioniere, habe in der Krankenhauslandschaft so gut wie keine Chance. Denn kleine Häuser würden die Vorgaben des neuen Krankenhausstrukturgesetzes, zum Beispiel bei Qualitätsstandards, nur schwerlich erfüllen. Und Ortsnähe sei heutzutage bei den kurzen Liegezeiten auch kein Argument mehr für ein Krankenhaus vor der Haustür.

„Bodenhaftung verloren“

Rückblickend sagte Wessels im Gespräch mit der NWZ : „Ich finde Herrn Laumann als Menschen sympathisch. Aber hier hat er wohl ein wenig die Bodenhaftung verloren.“ Denn um die Krankenhauslandschaft in Niedersachsen beurteilen zu können, müsse man wissen, dass fast 60 Prozent der 185 Einrichtungen eine Bettenzahl von unter 200 habe, 33 Prozent sogar unter 100. Das sei vor allem der ländlichen Struktur geschuldet und könne nicht mit Bundesländern wie etwa Nordrhein-Westfalen verglichen werden. Und Fusionen seien auch kein Allheilmittel, wie man zum Beispiel in Emstek habe erfahren müssen. Es mache keinen Sinn, nur der Größe wegen zu fusionieren.

Gleichwohl weiß Wessels um die Bedeutung der Aussagen des Staatssekretärs, denn „wir sind abhängig von Berlin“. Schließlich kommt der Bund für die laufenden Kosten auf, während das Land für Investitionen zuständig ist. Die Bundespolitik greife ständig in den Markt ein und schaffe Gesetze, die kleinere Krankenhäuser belasten würden. „Ich habe leider das Gefühl, dass das in Berlin egal ist“, so Wessels.

Um dem Druck der Politik standzuhalten, müsse man sich der Situation stellen. Denn obwohl es das Friesoyther Krankenhaus seit einigen Jahren schafft, stets eine schwarze Null in den Bilanzen stehen zu haben – im Gegensatz zu vielen anderen Krankenhäusern im Land –, dürfe man die Hände nicht in den Schoß legen. Wessels: „Wenn man stehen bleibt, ist die Existenz in der Tat bedroht.“

Spezialisierung wichtig

Doch das Friesoyther Marienhospital sei von solch einem Szenario weit entfernt. „Wir haben in den vergangenen Jahren viel richtig gemacht und sind weiter auf einem guten Weg.“ So habe man sich zum Beispiel auf ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen spezialisiert, verfüge durch das Medizinische Versorgungszentrum, die Altenpflege und die ambulante Versorgung über gute Netzwerke, und auch das vielbeachtete Referenzzentrum Adipositas gehöre zum Hospital. „Daher werden wir auch weiterhin kranken Menschen eine Heimat bieten“, ist Wessels überzeugt.

Am 20. Juli kommt übrigens die niedersächsische Sozialministerin Cornelia Rundt nach Friesoythe und besucht das Krankenhaus.

Carsten Bickschlag
Carsten Bickschlag Redaktion Münsterland (Leitung Cloppenburg/Friesoythe)
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