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Von Martin Rücker
Frage:
Streit um die Kernkraft: Der SPD-Politiker Erhard Eppler will längere Laufzeiten akzeptieren, wenn in der Verfassung der Bau neuer Atomkraftwerke ausgeschlossen würde. Ein denkbarer Kompromiss?
Reiche:
Niemand muss das Grundgesetz bemühen, um zu sehen, dass wir in eine Energielücke hineinlaufen. Wenn wir die Kernkraft abschalten und keine neuen Kohlekraftwerke bauen, ist unsere Stromversorgung nicht mehr sicher. Wir müssten Energie importieren. Das würde die Preise noch weiter nach oben treiben. Die Kernkraft ist mittelfristig unverzichtbar. Die SPD muss zur Vernunft kommen. Sie gefährdet die Versorgungssicherheit und macht sich mitverantwortlich für steigende Preise.
Frage:
Auch die Union will nur „mittelfristig“ an Kernkraft festhalten. Wann könnte der Übergang zu erneuerbaren Energien vollzogen sein?
Reiche:
Das ist nicht absehbar. Als Rot/Grün den Atomausstieg beschlossen hat, lag der Ölpreis bei etwa 40 Dollar pro Barrel. Die ungeheure Wachstumsdynamik von Indien und China war allerdings absehbar. Heute ist klar: Der Kampf um die Rohstoffe Öl, Gas und Kohle wird sich verschärfen. Eine saubere, sichere und bezahlbare Energieversorgung ist nur mit der Kernkraft möglich. Das ist eine soziale und ökologische Frage. Wir brauchen einen ausgewogenen Energiemix. Die Union steht für den Ausbau erneuerbarer Energien. Bis 2020 sollen sie einen Anteil von 30 Prozent am Primärenergieverbrauch erreichen. Das ist ehrgeizig, aber es bedeutet gleichzeitig eben, dass auch in mehr als zehn Jahren noch der Großteil des Energiebedarfs aus anderen Quellen gedeckt werden muss. Das wird weit über 2020 hinaus so bleiben.
Frage:
Halten Sie auch den Bau neuer Kernkraftwerke für erforderlich?
Reiche:
Zunächst geht es um längere Laufzeiten, um kurzfristig Engpässe zu vermeiden. Dann müssen wir beobachten, wie sich andere EU-Staaten aufstellen. Ein europäischer Konsens in der Energiepolitik wäre dringend geboten.