Die frühere Umweltministerin Baden-Württembergs, Tanja Gönner (CDU, 42) ist Chefin der GIZ.
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FRAGE:
Frau Gönner, sie leiten seit Sonntag als Chefin die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Wie sehen Sie die Position des bundeseigenen Unternehmens mit rund 17 000 Beschäftigten?
GÖNNER
: Wir befinden uns als Unternehmen an einer Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Politik, aber es ist nicht Aufgabe des Unternehmens, politische Ratschläge zu geben. Es ist vielmehr unsere Aufgabe, mit Fachkompetenz zu beraten. Ich mache hier weder Parteipolitik noch Politik. Ich wusste, dass ich mich für einen Seitenwechsel entscheide, und ich bin jemand, der sehr genau weiß, was seine jeweilige Aufgabe ist.
FRAGE:
Hauptauftraggeberin für die GIZ ist nach wie vor die Bundesregierung, daneben auch die Weltbank oder die EU. Gibt es Vorstellungen, mit privaten Unternehmen stärker zusammenzuarbeiten?
GÖNNER
: Wir haben unendlich viele Mittelständler, die sich das bisher gar nicht zutrauen, aber viel zu bieten haben. Die Schwierigkeit ist, dass Know How in unterschiedlichster Form da ist, dass es aber an der Vernetzung fehlt und an den richtigen Partnern. Warum sollte dafür nicht die Kompetenz der GIZ, besonders die interkulturelle Kompetenz, die Kenntnis von Regionen und der Mentalität der dort lebenden Menschen genutzt werden?
FRAGE:
Die GIZ hat Indien angeboten, 350 Tonnen mit Giftmüll verseuchter Erde aus Bhopal zu entsorgen. Es gab in Deutschland sehr viel Kritik daran, dass indischer Giftmüll nicht vor Ort entsorgt werden soll, sondern hier. Gab es keine andere Lösung?
GÖNNER
: Natürlich wäre es wünschenswert, dass Indien selbst entsorgen kann. Das ist aber nicht der Fall. Wenn wir es nicht tun, dann lassen wir zu, dass weiterhin dort eine solche Umweltverschmutzung stattfindet und den Menschen nicht die Chance gegeben wird, Stück für Stück voranzukommen.
FRAGE:
Sind Sie als frühere Umweltministerin für die GIZ-Spitze besonders qualifiziert, weil die Themen Klima und Energie an Bedeutung gewinnen?
GÖNNER
: Wenn Sie die weltweite Entwicklung betrachten, ist es tatsächlich so, dass das Thema Klima in den internationalen Diskussionen eine Gewichtung bekommen hat. Ich glaube, an dem Punkt schadet Fachkompetenz nicht.