Sanaa/Kairo/Washington - Die wütenden Proteste gegen US-Einrichtungen in der islamischen Welt nehmen immer bedrohlichere Ausmaße an. Aus Empörung über ein Schmäh-Video über den Propheten Mohammed griffen Demonstranten am Donnerstag im Jemen und Ägypten diplomatische Vertretungen Washingtons an. Zuvor waren in dieser Woche bereits vier Amerikaner in Libyen getötet worden, unter ihnen auch der US-Botschafter.

Im Jemen stürmten Demonstranten auf das Gelände der US-Botschaft in Sanaa. Sie setzten dort Autos in Brand, ehe sie von Sicherheitskräften mit Warnschüssen vertrieben wurden. Dabei wurden nach Angaben der Behörden drei Menschen getötet. Auch in Tunesien und im Iran gingen erboste Muslime auf die Straßen.

US-Sicherheitskreise vermuten das Terrornetzwerk Al Kaida hinter den Gewaltexzessen in Libyen. Die USA schickten nach Medienberichten neben einer Einheit von Elitesoldaten auch zwei Kriegsschiffe vor die Küste Libyens.

Auslöser der Proteste in der islamischen Welt war ein in den USA produzierter Videofilm, in dem der Prophet des Islam als Mörder, Kinderschänder und Frauenheld dargestellt wird. Als Autor, Regisseur und Produzent des Films zeichnet ein „Sam Bacile“. Das israelische Außenministerium hat sich von Autor und Film distanziert. Es hatte zunächst geheißen, der Produzent habe für den rund zweistündigen Film fünf Millionen Dollar (3,9 Millionen Euro) von rund 100 jüdischen Spendern eingesammelt.

Entwarnung dagegen im US-Konsulat in Berlin: Eine stundenlange Suche nach gefährlichen Substanzen durch die Feuerwehr endete am Donnerstag ergebnislos. Mitarbeiter der Visa-Abteilung hatten am Vormittag plötzlich über Gestank und Atemnot geklagt, woraufhin der Alarm ausgelöst worden war.