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NWZonline.de Nachrichten Politik

Zehntausende an der „Brücke der Märtyrer“

16.07.2017

Istanbul Zehntausende Menschen haben am Samstag in Istanbul an die Niederschlagung des Putschversuches vor einem Jahr erinnert. Die Menschen zogen durch die Straßen, schwenkten türkische Flaggen und versammelten sich an der Brücke der Märtyrer des 15. Juli, der umbenannten Bosporus-Brücke. Präsident Recep Tayyip Erdogan wollte dort am Abend eine Gedenkstätte für die 250 Todesopfer des Umsturzversuchs enthüllen.

Ministerpräsident Binali Yildirim dankte in einer Sondersitzung des Parlaments den Anhängern der Regierung für ihren Einsatz gegen die Putschisten. Am Abend des 15. Juli waren tausende Menschen einem Aufruf von Präsident Erdogan gefolgt und auf die Straßen gegangen. „Ihr Land ist Ihnen dankbar“, sagte Yildirim an die Demonstranten gewandt.

Kritik kam dagegen von der Opposition. Der Vorsitzende der Republikanischen Volkspartei, Kemal Kilicdaroglu, erklärte in der Sondersitzung, die Geschehnisse vom 15. Juli 2016 seien nicht vollständig untersucht worden. Außerdem habe die Regierung den ausgerufenen Notstand dauerhaft verlängert. Der stellvertretende Vorsitzende der prokurdischen Demokratischen Volkspartei, Ahmet Yildirim, sagte, die Regierung sei nach dem Umsturzversuch gegen Menschen und Institutionen vorgegangen, die gegen einen Putsch gewesen seien. Auch Abgeordnete der Volkspartei befinden sich derzeit in Haft.

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg verurteilte jeden Versuch zur Schwächung der Demokratie in den Mitgliedsländern als inakzeptabel. Stoltenberg erinnerte am Samstag in Brüssel an die rund 250 Menschen, die der vereitelte Umsturz das Leben kostete und lobte die Bürger, die zur Verteidigung ihrer gewählten Regierung auf die Straße gegangen seien.

Am 15. Juli 2016 versuchten türkische Soldaten, die Regierung und Präsident Erdogan zu stürzen. Sie setzten Panzer, Kampfflugzeuge und Hubschrauber ein. Die Putschisten bombardierten das Parlament und andere Gebäude, wurden aber letztlich gestoppt.

Am Freitagabend entließ die Regierung fast 7400 weitere Staatsangestellte. Die Lehrer, Hochschulmitarbeiter, Militärbedienstete und Polizisten wurden per Dekret suspendiert. Sie wurden beschuldigt, Verbindungen zu Terrorgruppen zu haben. Es ist die jüngste von mehreren Massenentlassungen seit dem Putschversuch. Zu den Suspendierten zählt auch der ehemalige Gouverneur von Istanbul, Hüseyin Avni Mutlu, der letzten August wegen angeblicher Verbindungen zu dem Geistlichen Fethullah Gülen eingesperrt wurde.

Die Türkei hat Gülen beschuldigt, hinter dem Putschversuch zu stecken. Der in den USA lebende Geistliche hat dies abgestritten.

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