Berlin - Die Zeichen in der Hauptstadt stehen auf Wechsel, auf Rot-Rot-Grün. Die Große Koalition in Berlin hat keine Mehrheit mehr. Verlierer bei der Abgeordnetenhauswahl sind einmal mehr die beiden einst großen Volksparteien.

Wahl in Berlin: SPD gewinnt – Koalition mit schwacher CDU am Ende

Angesichts des Ausmaßes an Chaos, Missmanagement und Staatsversagen an der Spree ist es eigentlich ein Wunder, dass SPD und CDU nicht noch deutlicher abgestraft worden sind. Doch können die Sozialdemokraten den historischen Abstieg besser verschmerzen, feiern ihn als Sieg, schließlich bleiben sie noch stärkste Partei und werden auch in Zukunft den Regierenden Bürgermeister stellen. Der Wahlausgang in der Hauptstadt als Signal auch für den Bund – so jedenfalls deutet SPD-Chef Sigmar Gabriel das Ergebnis. Seht her, es gibt sie noch, die Machtoption jenseits der Großen Koalition, lautet die Botschaft in Richtung Bundestagswahl 2017.

Linke und Grüne sind die Profiteure, werden wohl künftig mitregieren. Die FDP arbeitet weiter an ihrer Auferstehung und kann sich Hoffnungen auf die Rückkehr in den Bundestag machen. Große Gewinnerin ist einmal mehr die Alternative für Deutschland. Der Partei der Unzufriedenen und Frustrierten gelingt auch in der Hauptstadt auf Anhieb der Sprung ins Parlament. Damit nimmt sie eine weitere Hürde in Richtung Bundestag. Doch Berlin zeigt auch, dass Ergebnisse wie in Sachsen-Anhalt oder Mecklenburg-Vorpommern von mehr als 20 Prozent für die Rechtspopulisten eher die Ausnahme bleiben und nicht zur Regel werden dürften.

Mögen Angela Merkel und die CDU-Spitzen die Ursachen für die abermalige Schlappe und das historische Tief jetzt auch bei den wenig strahlenden Parteifreunden in der Hauptstadt und vor allem bei der unbefriedigenden Arbeit des Berliner Senats verorten, wird der Druck auf die Kanzlerin in den eigenen Reihen nun weiter zunehmen. Immerhin: Der Streit um den richtigen Weg in der Flüchtlingspolitik, die Polarisierung in der Gesellschaft und die wachsende Unzufriedenheit sorgen für eine zunehmende Politisierung und dafür, dass wieder mehr Menschen zur Wahl gehen.