Hude - Wenn sich die lieben Nachbarn streiten. – Dann geht es zum Beispiel um die Hecke, die zu hoch ist. Oder um den Baum, der herüberragt. Das Laub vom Nachbargrundstück stört den Frieden. Hundegebell und sogar Kindergeschrei führen zum Zwist.
Es gibt viele Dinge, an denen sich die Menschen aufreiben und deshalb vielleicht auch schon mal über Jahre nicht mehr miteinander reden. Gelegentlich geht es auch um Beleidigungen und andere Dinge – mit denen sich Ordnungsamt, Polizei und am Ende vielleicht die Gerichte beschäftigen sollen.
Doch in diesen Fällen werden die Kontrahenten vielfach von der Justiz sogar gezwungen, zunächst einmal den außergerichtlichen Weg der Schlichtung mit Hilfe von Schiedspersonen zu suchen.
Das sind Männer und Frauen, die sich ehrenamtlich zur Verfügung stellen, um Streithähne an einen Tisch zu bringen. „Wir sind keine Juristinnen und Juristen, die nach Gesetz Recht sprechen müssen, sondern wir müssen nur gucken, dass sich zwei Parteien einigen“, sagt Lutz Walk.
Der 72-Jährige war in den vergangenen fünf Jahren stellvertretender Schiedsmann. Gemeinsam mit Schiedsperson Ursula Weißgerber (64) hat er so manchen verzwickten Fall lösen können, bevor dieser vor Gericht ging, die Justiz unnötig belastete und für alle Beteiligten richtig teuer wurde.
Das „Schiedsamt“, das es in Deutschland schon seit 1872 gebe, sei ein sehr wichtiges Amt, betonte Bürgermeister Holger Lebedinzew. Zum Glück gebe es Menschen, die diese Aufgabe freiwillig machten und durch Lebenserfahrung und Engagement auch dafür geeignet seien.
Ursula Weißgerber war zehn Jahre Stellvertreterin und fünf Jahre 1. Schiedsperson in Hude. Lutz Walk hatte das Amt fünf Jahre inne. Sie wollten jetzt Jüngeren Platz machen.
Mit Doris Jätzold (54), Kriminalbeamtin im Ruhestand aus Hude-Nord, und Torben Gergele (45), Bezirksschornsteinfegermeister aus Hude-Süd, fanden sie geeignete Nachfolger. Beide haben nicht lange gezögert, als sie gefragt wurden. „Total spannend“, findet Doris Jätzold die neue Aufgabe. Die Ernennung erfolgte durch den Rat, die Bestätigung durch das Amtsgericht. Jeder kann die Schiedspersonen in Anspruch nehmen. 20 bis 30 Fälle sind es im Jahr. Vielfach wurden es keine offiziellen Fälle, weil Weißgerber und Walk erst einmal versucht haben, durch Gespräche zwischen Tür und Angel eine Schlichtung hinzubekommen. Oft mit Erfolg, auch wenn schon mal drei oder vier Termine erforderlich waren. Sie haben beide immer als Team gearbeitet. Dieses „Huder Modell“, bei dem es eigentlich keinen Stellvertreter gibt, wollen auch ihre Nachfolger fortführen.
Die Kontaktdaten sind auf der Internetseite www.hude.de zu finden. Auch das Ordnungsamt gibt Auskunft.
