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NWZonline.de Nachrichten Politik

Rio Nach Den Spielen: Zurück in der Realität

23.08.2016

Rio De Janeiro Ende gut, alles gut? Mit der Goldmedaille im Männerfußball und der Revanche gegen Deutschland endeten die Olympischen Spiele für Gastgeber Brasilien mit einem großen sportlichen Erfolg. Doch in der Olympiastadt Rio de Janeiro macht sich Katerstimmung breit: Die hohen Kosten des Spektakels brachten die Stadt an den Rande des Bankrotts. Auch auf nationaler Ebene ist wieder ernüchternde Politik am Zug: In gut einer Woche soll Präsidentin Dilma Rousseff endgültig ihres Amtes enthoben werden.

Während der XXXI. Olympischen Spiele gab es viele Höhepunkte und starke Emotionen: Athleten feierten Weltrekorde und erlebten bittere Niederlagen, führten Jubeltänze auf und brachen in Tränen aus. Gastgeber Brasilien gewann immerhin sieben Goldmedaillen, sechs Mal Silber und sechs Mal Bronze, ein Olympia-Rekord für das größte lateinamerikanischen Land.

Doch sowohl Sportstätten wie Unterkünfte wiesen Mängel auf. Viele Besucher klagten über lange Warteschlangen, langwierige Fahrten zu den Wettkämpfen und leere Ränge. Neben offenbar nicht genutzten Sponsorentickets und Spekulationen über gefälschte Tickets waren dafür aber offenbar auch die hohen Eintrittspreise verantwortlich, die die Kaufkraft vieler Teile der einheimischen Bevölkerung überforderten.

Rios Bürgermeister Eduardo Paes zog trotzdem eine positive Bilanz. Er gab den Spielen eine „Nota 10“, die Bestnote, räumte aber auch Probleme ein. „Die Stadt ist nicht zu einem perfekten Ort geworden, hat sich aber verbessert“, sagte Paes. Weiße Elefanten, also künftig ungenutzte Bauwerke wie nach der Fußball-WM 2014, die ebenfalls in Brasilien stattfand, werde es in Rio nicht geben. Für alle Gebäude gebe es Nachnutzungskonzepte, versicherte er.

Die Menschen in Rio de Janeiro sind da weniger optimistisch. Stadt und Bundesstaat kämpfen mit heftigen Finanzproblemen. Es wird befürchtet, dass bald die Gehälter von Lehrkräften, Polizisten und Gesundheitspersonal nicht mehr bezahlt werden können. Als Folge könnte die Stadt am Zuckerhut im Chaos versinken. Und selbst den Paralympischen Spielen, die vom 7. bis 18. September in Rio laufen, droht aufgrund der finanziellen Situation ein Debakel. Ein Gericht hob zwar jüngst die Sperre für staatliche Zuschüsse auf, verlangt aber weiterhin, dass das Olympiakomitee die Finanzierung offenlegt.

„Das IOC muss eine Kehrtwende machen“, forderte der frühere US-Fußballprofi Jules Boykott. Die Kosten der Spiele müssten drastisch gesenkt werden, sowohl die Preise, die Staat und Zuschauer bezahlen, als auch die Kosten und negativen Auswirkungen für die Armen. „Zu behaupten, dass diese Spiele zu über der Hälfte privat finanziert wurden, ist irreführend“, widerspricht der heutige Politikprofessor, der an der Pacific University in Oregon lehrt, der offiziellen Olympiawerbung. Würden Steuervergünstigungen und andere öffentliche Subventionen einberechnet, liege der Staatsanteil an den Gesamtkosten der Spiele bei rund 60 Prozent.

Doch in wenigen Tagen wird die Politik den Sport endgültig aus den Schlagzeilen verdrängen. Bereits am 25. August beginnt die offizielle Phase des Amtsenthebungsverfahrens gegen Präsidentin Dilma Rousseff, die im Mai vom Kongress, in dem sie die Mehrheit verloren hatte, wegen Korruptionsvorwürfen vorübergehend suspendiert worden war. Das Verfahren endet voraussichtlich eine Woche später mit der endgültigen Abstimmung über das politische Schicksal der Mitte-links-Politikerin. Kaum jemand zweifelt daran, dass die notwendige Zweidrittelmehrheit gegen Rousseff stimmen wird. Der konservative Übergangspräsident Michel Temer würde dann bis Ende 2018 regieren.

Ruhe würde damit aber nicht in das skandalgebeutelte Brasilien eintreten. Auf den olympischen Tribünen waren immer wieder „Temer raus“-Plakate zu sehen. Seine Partei und viele seiner Minister stehen im Verdacht, viel tiefer als Rousseffs Regierung in den Korruptionsskandal um den halbstaatlichen Ölkonzern Petrobras verwickelt zu sein. Zudem versprechen Rousseffs Arbeiterpartei und viele soziale Bewegungen, Front gegen den liberalen Schwenk in der Wirtschafts- und Sozialpolitik zu machen.

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