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Diskussion Zuwanderung wird um zehn Prozent steigen

Dietmar Kattinger

Stapelfeld - Die niedersächsische Landesregierung plant, den Begriff der ‚Integration‘ durch „den selbstverständlichen Anspruch auf Teilhabe und Partizipation“ zu ersetzen. Das kündigte Sozialministerin Cornelia Rundt am Montag an. Mit Blick auf Migranten lehne sie die Unterscheidung von ‚Wir‘ und ‚Ihr‘ ab. Die Vielfalt der Bürger Niedersachsens solle in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens „wie selbstverständlich mitgedacht werden“, sagte die SPD-Politikerin bei einer Migrationstagung in Stapelfeld vor 90 Zuhörern aus ganz Niedersachsen. Veranstalter der Tagung waren neben der Katholischen Akademie und dem Sozialministerium die Uni Oldenburg, das Deutsche Rote Kreuz in Aurich sowie die oldenburgischen Landesverbände von Diakonie und Caritas.

Dass Deutschland „wieder ein Einwanderungsland ist“, hat Marcus Engler vom Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration in Berlin betont. Mit 1,3 Millionen Migranten liege Niedersachsen bei insgesamt acht Millionen Einwohnern bundesweit im Mittelfeld. Dabei werde sich der Trend der Zuwanderung in Niedersachsen – wie in Deutschland überhaupt – fortsetzen, prognostizierte Engler. Er rechnet mit einer zehnprozentigen Zunahme. Unter den Zuwanderern wiederum nehme der Anteil der EU-Bürger deutlich zu, sagte der Migrationsexperte.

Randphänomen

So kämen inzwischen zwei Drittel aller Zuwanderer aus europäischen Nachbarländern. Habe es 2008 und 2009 ein „Zuwanderungs-Minus“ gegeben, sei die Zahl der Menschen, die nach Deutschland wollten, 2012 auf plus 390 000 angestiegen. Der an Stammtischen verbreitete „Glaube, dass alle, die kommen, es sich hier nur gemütlich machen wollen, stimmt nicht. Sozialtourismus ist nur ein Randphänomen“, widersprach Engler.

Bildungsabschlüsse

Vielmehr habe es eine Polarisierung gegeben: Nach Deutschland kämen einerseits häufig Menschen ohne Ausbildung und andererseits viele mit hohem Bildungsabschluss. Für letztere sei es seit 2008 relativ einfach geworden, in die Bundesrepublik überzusiedeln. Auf rund 100 000 werde die Zahl der Asylanträge in diesem Jahr vermutlich weiter ansteigen. Engler: „Damit sind wir aber weit entfernt von der Zahl Anfang der 90er Jahre mit über 400 000“, berichtete Engler.

Im Blick auf alle Migranten müsse der Begriff der Willkommenskultur eine „größere und weiter ausgelegte Bedeutung“ bekommen, sagte Rundt. Diese offene Haltung gegenüber den Zuwanderern fange bei den Ausländerbehörden an und ende dort, wo Menschen lebten. „Die Bildungschancen von Kindern mit Migrationshintergrund werden wir weiter verbessern“, unterstrich Rundt einen Schwerpunkt der Landesregierung. Auf Eltern aus fremden Ländern „wollen wir aktiv zugehen“. Berufsabschlüsse und Kompetenzen müssten anerkannt werden.

Den Anteil von Mitarbeitern mit Migrationshintergrund in Verwaltung und Unternehmen zu erhöhen, schilderte sie als weiteren Schritt ihrer Migrationspolitik. Der Anteil an Landesbediensteten mit Migrationshintergrund in Höhe von 8,1 Prozent solle „deutlich erhöht werden“. Wertvolles Potenzial gehe hier derzeit verloren.

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