Oldenburg - Zwei Existenz-Duelle und zweimal Zittern auf der Liste: Die Landtagswahl am Sonntag garantiert in beiden Wahlkreisen der Stadt wieder Hochspannung.
Im Norden muss Sozialdemokrat Jürgen Krogmann erstmals das Direktmandat verteidigen, das er vor fünf Jahren bei seiner Premiere dem damaligen Wissenschaftsminister Lutz Stratmann (CDU) abgenommen hatte – mit tatkräftiger Unterstützung der Grünen, die mit dem CDU-Chef wegen des geplatzten schwarz-grünen Ratsbündnisses von 2006 noch eine Rechnung offen hatten. Diesmal muss Krogmann möglicherweise allein klarkommen. Die Ratswahl 2011 hat gezeigt, dass er das kann.
Stratmanns Erbin in Sachen Kandidatur ist Esther Niewerth-Baumann, einst Ratsvorsitzende und aktuell Fraktionsvize der Union. Für sie wie Krogmann gilt: Gewinnen ist für Hannover Pflicht, wer verliert, muss zu Hause bleiben. Die Listenplätze reichen unter normalen Umständen nicht. Die übrigen Kandidaten dieses Wahlkreises sind nur Zuschauer.
Im Süden blickt ein Quartett Richtung Hannover. Hier gibt’s beim Direkt-Duell eine Doppel-Premiere: CDU-Partei- und Ratsfraktionschef Olaf Klaukien ist an die Stelle des glücklosen Gerd Hochmann getreten. SPD-Ratsherr Ulf Prange tritt die Nachfolge an von Wolfgang Wulf, der seit 1994 im Landtag sitzt (dazu aber einmal den Umweg über die Liste benötigte) und nun seinen Abschied nimmt.
Wie im Norden heißt es auch hier: Nur der Sieger erhält ein Mandat, der Verlierer hat via Liste keine Chance.
Und jetzt kommt die Abteilung Zittern. Da ist zunächst mal Hans-Henning Adler, der Doppel-Fraktionsvorsitzende der Linken in Oldenburg und Hannover. Für ihn ist die Rechnung einfach: Sind die Linken drin, ist es Adler auch (wie 2008). Angesichts der Umfragen gibt es bequemere Ausgangspositionen.
Der kniffligste Fall ist der von Bürgermeisterin Susanne Menge (Grüne). Die steht auf Platz 17 der Landesliste. Der sollte sicher reichen, wenn die Grünen 12 bis 12,5 Prozent bekommen – unabhängig davon, wie viele Parteien in den Landtag einziehen. Je weniger das schaffen (d.h. um so mehr Stimmen bei der Mandatsberechnung unter den Tisch fallen), desto größer die Chance für Menge – weil die Grünen dann weniger Prozente für 17 Mandate benötigen.
Die übrigen Kandidaten dieses Wahlkreises spielen in Sachen Mandate keine Rolle.
Einen Sonderfall gibt es bei den Piraten. Die haben in beiden Wahlkreisen Kandidaten nominiert, die nicht auf der Landesliste der Partei stehen. Dafür haben sie den stellvertretenden Vorsitzenden des Oldenburger Stadtverbandes, Gilbert Oltmanns, ohne Kandidatur vor Ort auf der Liste platziert. Allerdings erst auf Rang 18 – und da muss man vermutlich nicht mehr zittern.
