Jever - Mitten in der Nacht fing alles an. „Ich hatte noch nie zuvor in meinem Leben solche Schmerzen“, sagt Julia Meier. Heute weiß die 41-Jährige, dass sie Nierensteine hatte. Das herauszufinden, erwies sich jedoch als sehr schwierig – für Julia Meier begann eine zweitägige Odyssee.

Bereits zwei Tage zuvor war die Jeveranerin wegen starker Rückenschmerzen beim Arzt. Sie bekam eine Spritze, alles ging gut. Dann, in der Nacht, kam der Schmerz wieder und wurde unerträglich.

„Um 5 Uhr früh sind wir ins für uns nächste Krankenhaus, nach Wittmund gefahren“, berichtet Alexander Meier. Doch dort erfuhren sie, dass niemand helfen könne: „Am Empfang sagte man uns, dass alle Ärzte schlafen – das müssten sie schließlich auch einmal.“ Die Meiers wurden vor die Wahl gestellt: Entweder bis 8 Uhr auf einen Arzt warten, oder bei der zuständigen Bereitschaftspraxis anrufen, erzählt Alexander Meier.

„Doch als wir beim Bereitschaftsarzt anriefen, erreichten wir niemanden.“ So entschieden sie, nach Hause zu fahren: „Wir wollten lieber dort als auf dem Flur warten.“

Kaum zu Hause, rief der Bereitschaftsarzt zurück. Sein Rat: Julia Meier solle erst einmal starke Schmerzmittel nehmen und später zu ihrem Hausarzt gehen. Das tat sie – und erhielt erneut eine Spritze.

Als gegen Abend der Schmerz wieder einsetzte, fuhr ihr Mann sie ins Klinikum Wilhelmshaven. Dort lautete die Diagnose Nierenbeckenentzündung. Julia Meier erhielt Medikamente – und wurde nach Hause geschickt.

„Kaum angekommen, konnte meine Frau nicht aus dem Auto aussteigen. Sie hat sich vor Schmerz hin und hergerollt und musste sich übergeben – ich wusste überhaupt nicht mehr, was ich tun sollte“, sagt Alexander Meier.

So rief er per Notruf den Notarzt – doch der kam nicht. „Man sagte mir, dass keiner verfügbar sei, aber da wir ohnehin schon im Krankenhaus gewesen seien, müssten wir ja ein eigenes Auto haben und sollten selbst in die Klinik fahren.“

Alexander Meier ärgert sich noch immer. „Wir haben zwar irgendwie alles hinbekommen, aber es kann doch nicht sein, dass in solchen Fällen weder in Wittmund ein Arzt noch in Jever ein Krankenwagen zur Verfügung stehen.“

Im Krankenhaus Wittmund sagte eine Sprecherin auf Nachfrage der NWZ , dass nachts natürlich weniger Ärzte im Haus sind. „Doch im Notfall ist eigentlich immer jemand da.“ Allerdings gebe es Ausnahmen: „Bestimmte Beschwerden dürfen wir gar nicht behandeln, sie müssen von der hausärztlichen Bereitschaftspraxis versorgt werden.“ In solchen Fällen bekommen die Patienten die entsprechende Telefonnummer – wie Julia und Alexander Meier.

Für Alexander Meier bleibt die Situation unbefriedigend: Er denkt an Menschen, die kein eigenes Auto haben und nicht mehr mobil sind – „wie sollen die ins Krankenhaus kommen?“ fragt er sich.

Inzwischen geht es Julia Meier besser – am Ende stellte sich heraus, dass sie Nierensteine hatte. Vergessen wird sie die zweitägige Odyssee nicht.

Antje Brüggerhoff
Antje Brüggerhoff Lokalredaktion, Jeversches Wochenblatt