Bösel - Er gilt als Institution in Bösel: Dr. Heinz Josef Schiffgens führt seit 28 Jahren seine Praxis am Hölker Weg – ein waschechter Landarzt, der die Patienten auch mal außerhalb der Sprechstunden empfing. Aus den Kindern, die einst in seine Praxis kamen, sind Erwachsene geworden. Viel Vertrauen brachten die Böseler dem Medizinier entgegen. In Bösel sei er gut aufgenommen worden, blickt er zurück.
Nun wird er seine Praxis in Bösel zum 30. Juni schließen – aus gesundheitlichen Gründen, wie der 70-Jährige am Mittwoch auf NWZ-Nachfrage bestätigte. Unter den Patienten sorgt das für Verunsicherung. Das Telefon steht nicht mehr still.
Einen Nachfolger für die Praxis gebe es bisher nicht, sagt Dr. Schiffgens. Und trotz aller Bemühungen hat er auch wenig Hoffnung auf eine Weiterführung seiner Praxisräume am Hölker Weg 5 in Bösel über den 30. Juni hinaus.
Schiffgens war 1991 aus Köln nach Bösel gekommen, weil er eine bestehende Praxis übernehmen wollte. Er weiß um die Schwierigkeit, Ärzte aufs Land zu bekommen, hatte er doch viele Jahre versucht, eine Verstärkung für seine Praxis zu bekommen. Kein junger Arzt war für die Tätigkeit zu begeistern, bis er mit Ansgar Schmidek zunächst einen Partner fand. „Ich habe über dem Limit gearbeitet und brauchte Unterstützung“, hatte Dr. Schiffgens 2011 im Gespräch mit der NWZ gesagt. Schmidek allerdings wechselte 2013 nach Beendigung seiner Facharztausbildung in den Landkreis Oldenburg. Seither arbeitete Dr. Schiffgens wieder alleine.
Die Praxis in Bösel aufzugeben, falle ihm schon schwer, gesteht Dr. Schiffgens, gerade vor dem Hintergrund, dass es keinen Nachfolger geben werde. Die allgemeinärztliche Versorgung in Bösel sieht er derzeit allerdings nicht gefährdet und verweist auf die Praxis im Gesundhaus. Dort betreiben Diplom-Mediziner Holger Meister und Dr. med Markus Borgmeister eine Praxis, in der mit Galina Diegner eine weitere Medizinerin angestellt ist.
Helmut Scherbeitz, Geschäftsführer der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nord, sieht zulassungsrechtlich keine Probleme, dass die Praxis übernommen werde. Allerdings sei es schwierig, Hausärzte aufs Land zu bekommen. So hätten etwa Ärztinnen aus Oldenburg – zwei Drittel der Medizinabsolventen sind heute Frauen – eine Fahrtzeit auf maximal 25 Minuten festgesetzt. Bösel liege leicht darüber. „Hausärzte werden händeringend gesucht“, so Scherbeitz, der auf die deutlich angespanntere Situation im Löninger Raum verweist.
Ein wenig Sorge bereitet die Praxisschließung insofern, als dass es bereits jetzt Hausärzte etwa in Friesoythe gibt, die keine neuen Patienten aufnehmen. Schiffgens-Patienten müssen unter Umständen länger nach einem neuen Hausarzt suchen. Ihre Bedenken, einen neuen Hausarzt zu finden, äußern Böseler auch bereits in Sozialen Netzwerken.
Damit schließt ein weiterer Landarzt seine Praxis in Bösel. 2015 war Dr. Christian Lawson verstorben, der zuvor 33 Jahre lang eine Praxis in Bösel geführt hatte. Nur wenige Wochen zuvor hatte er seine Praxis aufgegeben.
