Saint-Lô - Marcel Kittel und André Greipel duellieren sich um Auftakt-Gelb, Tony Martin will im Zeitfahren für ein Glanzlicht sorgen, und John Degenkolb fühlt sich ebenfalls zu Großtaten bereit: Bei der an diesem Sonnabend beginnenden 103. Tour de France (2. bis 24. Juli) können und wollen die deutschen Radprofis erneut für Glanzlichter sorgen. Martin jedenfalls ist überzeugt. „Wir sind in diesem Jahr selten stark aufgestellt“, sagte der dreimalige Zeitfahr-Weltmeister, „ich gehe davon aus, dass wir wieder den einen oder anderen Etappensieg feiern werden.“
Für einen Platz ganz vorne im Gesamtklassement kommen die deutschen Radprofis wohl nicht in Frage. Aber auch der Favorit und Ausnahmekönner Christopher Froome gilt nicht im Vorhinein als Toursieger 2016. Gleich eine ganze Handvoll ambitionierter Herausforderer will dem britischen Vorjahressieger das Projekt Titelverteidigung bei der in Mont-Saint-Michel startenden Rundfahrt vermasseln. Die Tour ist mit dem kolumbianischen Kletterspezialisten Nairo Quintana, Routinier Alberto Contador und dem italienischen Vuelta-Gewinner Fabio Aru so gut besetzt wie lange nicht.
Aus deutscher Sicht gilt es, die jüngste Erfolgsgeschichte fortzuschreiben: 19 Tagessiege in den vergangenen drei Jahren und damit fast ein Drittel aller Etappen sind ein Wert, den keine andere Nation aufweisen kann.
Diesmal feiert zudem Top-Sprinter Kittel ein viel beachtetes Comeback. Nach einer Saison zum Vergessen mit einer langwierigen Viruserkrankung, dem Tour-Aus und schließlich einem Teamwechsel ist er stärker denn je zurückgekommen. Aber auch sein wahrscheinlicher Hauptkonkurrent André Greipel (33) ist in bestechender Form und nach dem Sieg bei der deutschen Meisterschaft sogar ein klein wenig im Vorteil. Schon beim Grand Départ auf dem Weg vom Mont-Saint-Michel zum historisch bedeutenden Utah Beach an der Atlantikküste könnte es zum ersten großen Duell der deutschen Asse kommen, mindestens fünf weitere Möglichkeiten folgen. Greipel kann am Sonnabend zum ersten Mal in seiner Laufbahn das „Maillot jaune“ holen, Kittel nach 2013 und 2014 zum dritten Mal.
Zeitfahr-Spezialist Martin (31) konzentriert sich derweil ganz auf seine Paradedisziplin, die am Tag der 13. Etappe auf dem Programm steht. Darüber hinaus plant der Wahl-Schweizer den einen oder anderen Fluchtversuch, auf diese Weise war er im Vorjahr ins Gelbe Trikot gefahren.
Akzente will auch Degenkolb setzen, der sich nach seinem fürchterlichen Trainingsunfall im Januar immer besser in Schwung fährt. „Der Etappensieg wäre auf jeden Fall ein krönendes Ereignis“, gibt er sich selbstbewusst.
