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NWZonline.de Sport Weitere Radsport

Seine Oberschenkel treten bis zu 3,5 PS

19.12.2018
Frage: Hallo Herr Förstemann, Sie können es sich denken, ich möchte über Ihre Beine reden. Ziehen Sie sich, wenn Sie nach Hause kommen, eine Jogginghose an?
Robert Förstemann: Auf jeden Fall! Das ist superbequem, das ist eigentlich immer das erste, was ich mache. Jeans sind schon immer sehr eng, auch wenn die bei mir Maßanfertigungen sind. Stangenware passt mir nicht. Es gibt nur zwei Arten von Hosen, die mir passen: Jogginghosen und Radhosen.

Sprint-Wettkampf bei den Sixdays Bremen

Robert Förstemann (32) ist ein deutscher Bahnradsprinter, der sich auf kurze Distanzen fokussiert hat. Er gewann bei den Olympischen Spielen 2012 in London Bronze im Teamsprint und ist in dieser Disziplin auch Welt- und Europameister.

Bei den Bremer Sixdays (10. bis 15. Januar 2019) wird der Radprofi aus dem thüringischen Greiz im Sprint-Wettkampf antreten. Dort trifft er unter anderem auf Maximilian Levy (31).

Tickets für die Sixdays Bremen unter www.nordwest-ticket.de

Frage: Sie haben durch das viele Training, aber auch durch eine genetische Besonderheit, ungewöhnlich voluminöse Oberschenkel mit einem Umfang von jeweils 73 Zentimetern. Stört Sie das im Alltag noch irgendwo – außer bei den Hosen?
Förstemann: Ich gehe nicht so gerne Treppen, da nehme ich lieber den Fahrstuhl. Aber das haben wohl viele andere Radfahrer oder Kraftsportler auch. Das ist eben eine Berufskrankheit, die es in vielen Jobs gibt. Aber es stört mich eigentlich nicht. Mein Beinumfang hat mich ja auch bekannt gemacht bei den Olympischen Spielen 2012 in London, das muss man ja auch sagen. Und sie sind nicht nur stark, sondern auch schnell. Ich schaffe tiefe Kniebeugen mit 270 Kilo, stemme 700 Kilo auf der Beinpresse, komme aber auf dem Rad in der Spitze auf 280 Pedalumdrehungen pro Minute und 2700 Watt Leistung (Ca. 3,5 PS, die Red.).
Frage: Ziemlich beeindruckende Zahlen. Nun sind Sie hauptsächlich Bahnradfahrer auf den ganz kurzen Distanzen. Wie sieht da das Training aus: Wie viel Zeit verbringen Sie im Kraftraum und wie viel auf dem Rad?
Förstemann: Das variiert. Im Schnitt habe ich je nach Trainingsphase zweimal wöchentlich Krafttraining, drei- bis viermal spezifisches Radtraining auf der Bahn und zwei- bis dreimal Straßentraining.
Frage: Auch im Winter Straßentraining?
Förstemann: Naja, bei ganz schlechtem Wetter auch Ergometertraining. Aber wenn es geht, fahre ich auf der Straße. Das ist mir auch ganz wichtig.
Frage: Sie haben 2012 Olympisches Bronze geholt, waren 2010 Weltmeister und dreimal Europameister – alles im Teamsprint. Ist das Ihre Lieblingsdisziplin, oder würden Sie auch gern in einer anderen Disziplin eine Medaille holen?
Förstemann: Ich habe ja auch in anderen Disziplinen schon Medaillen geholt, Silber und Bronze bei Europameisterschaften im Einzelsprint zum Beispiel. Und Rundenrekorde habe ich auch aufgestellt, zum Beispiel in Dudenhofen. Man muss ja auch realistisch sein: Bahnradsport hat inzwischen eine enorm hohe Leistungsdichte. Früher waren es so sieben, acht Länder, die sich meistens die Medaillen geteilt haben, das ist jetzt nicht mehr so. Dass es da für eine Medaille reicht, hängt oft von der Tagesform ab und entscheidet sich um Tausendstelsekunden.
Frage:
Frage: Was ist denn Ihre Lieblingsdisziplin?
Förstemann: Früher waren es Sprint und Teamsprint, inzwischen fahre ich auch Keirin (japanischer Kampfsprint, die. Red.) und 1000 Meter Zeitfahren. Und ich mag alles – jede Disziplin hat etwas besonderes.
Frage: Sie fahren aber nicht nur klassische Verbandswettkämpfe, sondern auch Sechstagerennen, wie zum Beispiel im Januar bei den Bremer Sixdays. Wie nehmen Sie als Fahrer den Unterschied wahr?
Förstemann: Aus sportlicher Sicht ist der Druck bei Sechstagerennen natürlich nicht ganz so hoch. Bei strengen Wettkämpfen gibt es dafür oft gar kein so großes Publikum, und nichts drumherum – das ist gar nicht zu vergleichen. Es gibt aber immer wieder Fahrer – mich eingeschlossen – die bei Sechstagerennen ihre beste Leistung bringen. Weil die Stimmung einfach toll ist – das treibt einen an.
Frage: Was fahren Sie lieber?
Förstemann: Nun, die Verbandsrennen sind ja die, an denen wir gemessen werden, für die Sportförderung zum Beispiel. Sechstagerennen sind eher ein Sport-Spaß-Mix. Aber beides macht unheimlich viel Spaß, gerade die Kombination ist super.
Frage: Sechstagerennen haben in der letzten Zeit an Bedeutung verloren . . .
Förstemann: Das sehe ich nicht so.
Frage: Aber vor 20 Jahren gab es ja noch deutlich mehr solche Veranstaltungen in Deutschland – etwa in Münster, Dortmund, München und Stuttgart.
Förstemann: Ja, nach den Dopinggeschichten vor 15 Jahren sind einige Sponsoren ausgestiegen. Aber die Bedeutung ist nach wie vor da. Wenn man den Leuten das anbietet, wird es gut angenommen. Das sieht man in Berlin, da brennt jedes Jahr die Hütte.
Frage: Neben den Bremer Sixdays sind die im Berliner Velodrom die einzigen, die noch in Deutschland ausgetragen werden. In Berlin halten Sie auch den Rundenrekord. In Bremen fahren Sie nun zum ersten Mal . . .
Förstemann: Für einen Rundenrekord bin ich eigentlich immer gut zu haben. Aber die Bahn in Bremen ist schwer zu fahren und technisch sehr
anspruchsvoll, weil sie mit 166 Metern sehr kurz ist. Meistens sind Radbahnen 250 Meter lang. Deshalb sind in Bremen die Kurven noch steiler. Wenn man da durchfährt, das ist wie Achterbahnfahren, nur krasser. Wir fahren da mit bis zu 70 km/h durch. Da wirken Fliehkräfte, das kann man sich nicht vorstellen.
Frage: Sie treten im Duell der Sprinter erneut gegen Ihren Dauerkonkurrenten Maximilian Levy an.
Förstemann: Das wird ein packendes Duell, das steht jetzt schon fest. Wir sind im Oktober in London gegeneinander gefahren, da ging es Mann gegen Mann heiß zur Sache. Wir fahren schon lange gegeneinander, aber ich kann mich nicht erinnern, dass es mal so eng war. Ich war am Ende knapp hinten – leider.
Frage: Also haben Sie eine Rechnung offen.
Förstemann: Ich würde mich auf den Fall freuen, in Bremen Revanche zu nehmen. Da kribbelt’s mir jetzt schon, wenn ich daran denke.
Frage: Worauf wird es ankommen? Tagesform und Tausendstelsekunden?
Förstemann: Erstmal sind es ja sechs Tage, also muss man sechs Tage fit sein und vor allem nicht krank werden. In London war ich zwei Tage
vorne, dann hat Levy aufgeholt. Es ist auch eine Frage der Taktik, und der Motivation. Wenn du merkst, dass die Leute hinter dir stehen, kann das die nötigen Tausendstelsekunden ausmachen.
Mathias Freese
Redakteur
Sportredaktion
Tel:
0441 9988 2032

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