LIVORNO - In der Stille des Todes hielt der bunte Radsport-Zirkus für einen kurzen Moment den Atem an. Fassungslosigkeit, Trauer und Entsetzen herrschten nach dem Unfalltod des Belgiers Wouter Weylandt beim Giro d’Italia. Mit Tränen in den Augen rollten am Dienstag die Profis des Leopard-Teams geschlossen ins Ziel der neutralisierten (nicht gewerteten) vierten Etappe und gedachten ihres toten Freundes.

Schon vor dem Start hatten Teams und Fahrer am Dienstag eine Schweigeminute eingelegt, doch von Ruhe war da bereits keine Spur mehr. Der tödliche Unfall des 26-jährigen Teamkollegen von Jens Voigt und Fabian Wegmann hat eine Sicherheits-Diskussion der Fahrer losgetreten.

Offenbar war sich auch Weylandt der Gefahren der Rundfahrt bewusst. Wie die belgische Tageszeitung „Het Laatste Nieuws“ berichtet, schrieb er seinem Manager Jef van den Bosch nach dem Giro-Start in einer SMS, dass das Rennen sehr gefährlich sei, es werde nervös gefahren: „Das bereitet mir Sorgen.“

Laut Rennarzt Giovanni Tredici starb Weylandt am Unfallort durch einen Schädelbruch, was auch die Autopsie ergab: „Er hat nicht gelitten. Er war auf der Stelle tot. Es hätte eines Wunders bedurft, um ihn zu retten.“ Nach Aussagen aus seinem Team hatte Weylandt auf der Abfahrt vom Passo del Bocco bei Tempo 75 mit Vorderrad oder Pedale eine Betonmauer touchiert, als er sich umgeschaut hatte. Er stürzte mit dem Gesicht auf die Mauer.

„Man konnte es kommen sehen. Es gab viele gefährliche Kurven, aber nicht ein Warnschild oder eine gelbe Flagge, die das anzeigte“, sagte der spanische Radprofi Pablo Lustras, der die Etappe als Dritter beendet hatte: „Jegliche Sicherheitsvorkehrungen glänzten durch Abwesenheit.“

Nicht minder deutlich äußerte sich Lustras’ Landsmann Luis Angel Mate, der von einem „schwarzen Tag“ sprach. „Im Radsport müssen sich viele Dinge verbessern, aber zuallererst unsere Sicherheit“, sagte der Profi des Cofidis-Teams: „Viele Stürze, viele Verletzungen – und jetzt das. Mir fehlen die Worte.“

Der spanische Profi Juan Antonio Flecha klagte die Veranstalter an: „Alles scheint Teil des Spektakels zu sein.“ Jedes Jahr, so Flecha weiter, passieren Stürze, „weil es bei den Zielankünften so etwas wie einen doppelten Bordstein mitten auf der Geraden gibt“. Zudem hielten sich in diesen Zonen oft viele betrunkene Zuschauer auf. „Trotzdem halten die Organisatoren an diesen Ankünften fest, und niemand sagt was. Auch nicht der Weltverband“, so Flecha.