LONDON - London/sid/dpa Londons Bürgermeister Ken Livingstone erwartet ein „großes Spektakel“, Kritiker fürchten eine Farce: Vor dem Prolog zur Tour de France, der an diesem Sonnabend (16 Uhr/ARD) erstmals in der englischen Metropole ausgetragen wird, scheiden sich die Geister. Doping-Affären und Geständnisse haben den Radsport in den vergangenen Monaten in seine tiefste Krise gestürzt, doch beim wichtigsten Rennen der Welt bemüht man sich um Gelassenheit – so gut es irgend geht.
„Es gab im Vorfeld viele negative Schlagzeilen, aber ich bin überzeugt, dass wir eine gute Tour sehen werden. Das Rennen ist offen wie lange nicht und birgt jede Menge Spannung“, erklärte Tourchef Christian Prudhomme vor der 94. Auflage der Großen Schleife zu deren Start bis zu zwei Millionen Zuschauer an der Strecke stehen werden.
Als der große Favorit geht Alexander Winokurow an den Start. An der Seite des Kasachen fährt Andreas Klöden, der aus deutscher Sicht wohl aussichtsreichste Fahrer, nachdem er 2004 schon Zweiter und 2006 Dritter geworden war. „Unser Ziel ist der Toursieg“, erklärte Winokurow. Klöden startet dagegen zunächst wieder in der Rolle des Helfers. Allerdings lässt sich der 32-Jährige eine Hintertür offen: „Wenn Wino irgendwo eine Schwäche zeigt, möchte ich da sein, um die Lücke zu füllen.“
Noch einmal ins Grüne Trikot des Punktbesten will Erik Zabel schlüpfen, für den die Tour exakt an seinem 37. Geburtstag beginnt. Der Vizeweltmeister des Milram-Teams, der die Punktwertung seit seinem Tour-Debüt 1995 sechsmal gewonnen hat, trifft auf harte Konkurrenz. Favorisiert sind Vorjahressieger Robbie McEwen (Australien) und Davide Bennati (Italien). Gegenwind verspürt Zabel unterdessen aus Stuttgart. Die Gastgeberstadt der WM im September forderte vom Bund Deutscher Radfahrer, den Sprinter nach seiner Doping-Beichte nicht zu nominieren.
Wer in London endgültig an die Startlinie rollt, ist derweil noch immer unklar. Der Weltverband UCI hält angeblich noch eine Liste von sechs Fahrern mit auffälligen Testergebnissen aus den vergangenen zehn Wochen zur Verkündung bereit. Es ist durchaus möglich, dass die Namen noch in letzter Minute präsentiert werden.
