Paris - Der Gesamtsieg bei der Tour de France geht in diesem Jahr nach Slowenien – das ist keine allzu große Überraschung. Doch nicht der Favorit Primoz Roglic (Team Jumbo) triumphierte, sondern sein Landsmann Tadej Pogacar (Team Emirates).  

Wer ist der

Überraschungssieger

?

Der Sohn einer Universitätsprofessorin – passenderweise im Fach Französisch – war von dem Geschehen am Wochenende selbst überwältigt. Er hatte eigentlich nur davon geträumt, bei der Tour zu starten. „Und jetzt trage ich das Gelbe Trikot“, sagte der 21-Jährige aus Komenda am Samstagabend nach seinem Sieg auf der vorletzten Etappe, einem Einzelzeitfahren. Mit neun Jahren kam er zum Radsport. Das Rennrad war ihm damals noch zu groß, und trotzdem besiegte er die älteren Jungs. Pogacar war schon immer seiner Zeit voraus.

Als er bei der Kalifornien-Rundfahrt 2019 triumphierte, musste das Protokoll der Siegerehrung geändert werden. Mit 20 war er noch zu jung für die Champagnerflasche, stattdessen gab es einen Teddy. Und bei der jüngsten Spanien-Rundfahrt gewann er ebenfalls mit 20 drei Etappen, was noch keinem Radsportler in so jungen Jahren bei einer großen Rundfahrt gelungen war. Mit seiner Freundin Urska Zigart teilt er die gleiche Leidenschaft, sie ist ebenfalls Radsportlerin und bestritt gerade den Giro d’Italia der Frauen. Zusammen wohnen sie in Monaco.     

Wie kam es zum

Führungswechsel

?

In einem famosen Bergzeitfahren nach La Planche des Belles Filles hatte Pogacar seinen bislang so souveränen Landsmann Roglic in der Gesamtwertung noch überholt. „Das ist die Geburt eines großen, großen Champions“, sagte der frühere Tour-Sieger Greg Lemond dem französischen Tour-Organ „L’Equipe“ über den Auftritt von Pogacar am Samstag.   

Was ist mit dem bösen D-Wort

?

2009 begann Pogacar, die Tour im Fernsehen zu schauen. Damals habe er Alberto Contador zugejubelt. Bleibt zu hoffen, dass ihm ein ähnliches Schicksal erspart bleibt. Contador wurde wegen Dopings für zwei Jahre gesperrt. Bei Pogacar gibt es bislang keine Doping-Verdachtsmomente, auch wenn das Umfeld nicht ganz astrein ist. Sein Entdecker und Sportdirektor Andrej Hauptman wurde im Jahr 2000 wegen eines Hämatokritwertes von über 50 Prozent nicht zur Tour zugelassen. Und in der Dopingaffäre „Operation Aderlass“ führen viele Spuren nach Slowenien - aber bislang keine zu Pogacar.