Berlin/Innsbruck - Lance Armstrong (41) lässt den Weltverband UCI und die Tour-de-France-Organisation ASO zittern. Die Folgen des laut „New York Times“ angedachten Doping-Geständnisses des tief gefallenen Superstars sind kaum abzusehen.

Je nachdem, wie viel der Amerikaner zugibt, könnte der Radsport erst einmal zum Stillstand kommen, „wenn er 100 Prozent auspackt“. Das erklärte Ex-Radprofi und Doping-Kronzeuge Jörg Jaksche am Sonntag der Deutschen Presseagentur vor dem Hintergrund möglicher Verwicklungen einiger Funktionäre in das Doping-System Armstrong.

Nach Meinung des Ex-Profis steht für die Branche viel auf dem Spiel: „Ich weiß nicht, wie viel er bereit sein könnte, zu erzählen, 50, 75 Prozent oder mehr. Gesteht er 100 Prozent, könnte der Radsport wahrscheinlich erstmal komplett dichtmachen. Eine umfassende Beichte hätte weitreichende Folgen für UCI und ASO“, meinte der nach seinem Karriere-Aus in Innsbruck studierende Jaksche.

Der ehemalige Telekom-Fahrer gehörte mit zu jenen 26 Zeugen, die mithalfen, Armstrong mit ihren Aussagen zu Fall zu bringen. Ihre Bekenntnisse vor der US-Antidoping-Agentur Usada ebneten den Weg zu Armstrongs Sperre auf Lebenszeit und zur Aberkennung seiner sieben Tour-de-France-Siege von 1999 bis 2005.

Eine umfassende Beichte dürfte eher nicht zu erwarten sein. Dem einstigen Tour-Dominator drohen happige Schadenersatzzahlungen und strafrechtliche Ermittlungen, unter anderem wegen Meineids. Ein spätes Geständnis könnte ihm – wie einst der Sprinterin Marion Jones – sogar eine Gefängnisstrafe einbrocken. Armstrong hatte in Prozessen teils unter Eid ausgesagt, nie gedopt zu haben. Vor Gericht unterlegene Kontrahenten verlangen bereits jetzt teilweise ihr Geld zurück.

Nach Angaben der „New York Times“ wird der Texaner von Verantwortlichen der von ihm ins Leben gerufenen Krebsstiftung „Livestrong“ gedrängt, auszupacken.