• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Ammerland Gemeinden Rastede

Kusber: „Ich weiß, wie es damals war“

13.12.2010

HAHN-LEHMDEN Als „von herausragender Bedeutung für unsere Region“ bezeichnete Rastedes Bürgermeister Dieter Decker am Sonntagvormittag in Hahn die kreisweite Aktion „Vergessene Orte“ des Kunstpfades Ammerland. Bei der Vorstellung des ersten von insgesamt sechs Kunstwerken in den sechs Gemeinden des Ammerlandes zum Thema „Vergessene Orte“ (die NWZ berichtete) präsentierte der Rasteder Künstler Jochen Kusber vor gut 70 Gästen aus Politik und Gesellschaft seine Skulptur „Displaced Persons“ am Rande des einstigen Lagers für Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter, Vertriebene und Flüchtlinge“ – und war, da er aus Schlesien stammt, sichtlich bewegt, als er schilderte, was ihn gereizt hatte, die Skulptur zu machen: „Ich weiß, wie es damals war.“

Acht Künstler werden im Rahmen des Projektes an sechs Standorten im Kreis mit ihren Kunstwerken an Orte erinnern, deren Bedeutung auch für die regionale Geschichte kaum noch bekannt ist.

Zuvor hatte Projektkoordinator Wolfgang Hase nicht nur den – finanziellen – Förderern des Projektes gedankt (die NWZ  berichtete), sondern auch dem anwesenden Landrat Jörg Bensberg, der sich in vielfältiger Weise für das Projekt engagiert habe. Zudem dankte Hase der Familie Deeken von Gut Hahn, die sich spontan bereit erklärt hatte, den Standort für die Skulptur zur Verfügung zu stellen.

Dieter Decker erinnerte an das Lager Hahn, in dem ab 1940 Zwangsarbeiter aus Polen und anderen Ländern untergebracht waren, die in der Gemeinde Rastede in verschiedenen Unternehmen „unter zum Teil jämmerlichen Umständen arbeiten mussten“. Die Gräber von 191 vorwiegend polnischen Kindern auf dem Rasteder Friedhof erinnerten noch heute an diese Zeit. Decker erinnerte daran, dass Schüler der KGS Rastede sich des Themas mit Lehrerin Gesche Hüppe bereits angenommen hatten. Auch Rita Kusch und Werner Zihn hätten sich in dem Buch „Rasteder Sternstunden“ mit dem Thema auseinandergesetzt. Mit der Skulptur „Displaced Persons“ – Decker bezeichnete sie als „aussagekräftig und überaus gelungen“ – leiste nun auch Jochen Kusber einen wichtigen Beitrag zur Bewahrung der Erinnerung.

Landtagspräsident a.D. Horst Milde als „schlesischer Landmann“ Kusbers erinnerte daran, dass von 16 Millionen Vertriebenen mehr als 200 000 im Oldenburger Land Aufnahme und eine neue Heimat gefunden hatten. Und schilderte das Leid, dass 1945 auch in Hahn unter den Vertriebenen geherrscht hatte, von denen viele den Aufenthalt dort nicht überlebten. Auch dank des Projektes und der Skulptur Jochen Kusbers sei das ehemalige Lager „ab heute“ denn auch kein vergessener Ort mehr. Die selbst gestellte Frage, ob die Menschen aus der Vergangenheit gelernt hätten, verneinte Milde eindeutig: „Seit 1945 hat es nicht ein Jahr gegeben, in dem nicht irgendwo in der Welt Krieg geherrscht hätte“.

Die Skulptur „Displaced Persons“ aus jahrtausendealter Mooreiche ist auch mit einer Erinnerungstafel versehen und steht nun künftig an der Straße am Hahner Busch.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.